Berufsorientierung während Corona:
Wirtschaft fordert von Land und Arbeitsagentur st√§rkere Bem√ľhungen

Zu Beginn der ‚ÄěWoche der Ausbildung‚Äú fordert Hessens Wirtschaft die Landesregierung und die Bundesagentur f√ľr Arbeit dazu auf, sich st√§rker f√ľr Berufsorientierung einzusetzen. Der R√ľckgang bei Ausbildungsvertr√§gen sei vor allem auf weniger staatliche Berufsorientierungsangebote zur√ľckzuf√ľhren. Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe bleibe hoch. Derzeit gebe es deutlich mehr Stellen als Bewerber. Das geht aus einer gemeinsamen Mitteilung hessischer Wirtschaftsorganisationen hervor, an der sich die Vereinigung der hessischen Unternehmerverb√§nde (VhU), der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK), die Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern sowie der Verband Freier Berufe in Hessen beteiligt haben.

Die Berufsorientierung in hessischen Schulen und die Berufsberatung der Arbeitsagenturen h√§tten im vergangenen Jahr nur sehr eingeschr√§nkt stattgefunden. Digitale Angebote zur Berufsorientierung, die auch von vielen Unternehmen angeboten werden, k√∂nnten das nur begrenzt kompensieren. Die gesetzliche Aufgabe der Berufsorientierung m√ľsse durch die Arbeitsagenturen an den Schulen und durch die Schulen selbst erfolgen. Nur so erreiche man alle, hei√üt es von den Organisationen der Wirtschaft. Ziel m√ľsse es sein, dass jeder Schulabg√§nger die Schule mit einer Perspektive verlasse. Besonders wichtig sei daf√ľr die regelm√§√üige Ansprache der Absolventen der Abschlussklassen an den weiterf√ľhrenden Schulen, aber auch der Eltern, Lehrer und Schulleitungen. Um eine weitere Delle bei den Ausbildungszahlen zu verhindern, brauche es eine gemeinsame Kraftanstrengung bei der Berufsorientierung. Die ‚ÄěWoche der Ausbildung‚Äú k√∂nne hierbei ein gutes Startsignal aussenden. Die Wirtschaftsorganisationen beteiligen sich in den kommenden Wochen mit Ausbildungsplatzb√∂rsen, Veranstaltungen und eigenen Beratungsangeboten.

VhU-Hauptgesch√§ftsf√ľhrer Dirk Pollert betont: ‚ÄěUns ist eine Botschaft an alle Jugendlichen wichtig: Investiert in Eure Zukunft und macht eine Ausbildung. Die Chancen sind sehr gut, denn die Unternehmen in Hessen bieten aktuell √ľber 25.000 offene Ausbildungsstellen an. Unternehmen, Verb√§nde und Kammern tun alles, um mit zahlreichen digitalen Veranstaltungen und Infotools Orientierung zu geben, welche Berufe es gibt. Unsere Aktivit√§ten alleine k√∂nnen das, was in den Schulen an Berufsorientierung derzeit nur eingeschr√§nkt angeboten wird, allerdings nicht eins zu eins kompensieren. Deshalb brauchen wir mehr externe Ma√ünahmen als in fr√ľheren Zeiten. Daf√ľr ist ein Ideen- und Ma√ünahmenturbo notwendig und den kann das Land z√ľnden. Wir schlagen einen unb√ľrokratischen Innovationstopf vor, aus dem das Land mit √ľberschaubaren finanziellen Zusch√ľssen Ma√ünahmen von externen Anbietern unterst√ľtzt.‚Äú

Eberhard Flammer, Pr√§sident des Hessischen Industrie- und Handelskammertages (HIHK), sagt: ‚ÄěDie Ausbildungsmarktzahlen zeigen schon jetzt: Viele Lehrstellen k√∂nnten in diesem Jahr unbesetzt bleiben. Deshalb lautet die zentrale Frage: Wie wird aus einem Schulabg√§nger ein Bewerber f√ľr die duale Berufsausbildung? Wir fordern das Kultusministerium dazu auf, Eltern von Schulabg√§ngern zur Berufswahl anzusprechen. Au√üerdem sollten die Berufsberater der Arbeitsagenturen mit jeder Schule in Hessen einen Berufswahlfahrplan erarbeiten. Dieser kann Eltern dabei helfen, ihre Kinder auf dem Weg zur Berufswahl zu unterst√ľtzen. Es gibt rund 350 verschiedene Ausbildungsberufe im dualen System. Da ist f√ľr jeden etwas dabei. Die duale Ausbildung bietet zukunftsfeste Berufe, gute Geh√§lter und viele Entwicklungsm√∂glichkeiten.‚Äú

Heinrich Gringel, Pr√§sident der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern betont: ‚ÄěDie Berufsorientierung muss schnellstm√∂glich wieder den Status hoher Priorit√§t in den Schulen erhalten. So fordern wir, dass die Durchf√ľhrung von Betriebspraktika nach den Osterferien wieder den Normalstatus vor Weihnachten erhalten und nicht als Ausnahme, sondern als Regel gelten muss. Wir brauchen diese M√∂glichkeit, damit unsere Betriebe zuk√ľnftige Auszubildende kennenlernen k√∂nnen und umgekehrt junge Menschen erfahren, wie spannend und zukunftsorientiert eine Ausbildung ist. Berufsorientierungstage sind an allen weiterf√ľhrenden Schulen bis zum Schuljahresbeginn verbindlich durchzuf√ľhren.‚Äú

Dr. Karin Hahne, Pr√§sidentin des Verbands Freier Berufe in Hessen, hebt hervor: ‚ÄěVon der Landesregierung erwarten die Wirtschaftsorganisationen mehr medialen Einsatz f√ľr die duale Berufswahl. Die Imagekampagne ‚ÄöVon A zu B‚Äė muss dringend ausgeweitet und als zentrale Informationsplattform eingesetzt werden.‚Äú

Quelle: Pressemitteilung der Vhu, vom 16. März 2021