Liebe Mitglieder und Partner,
das dieswöchigen Executive Summary bietet wie immer mit dem Fokus auf neue Entwicklungen in der deutsch-kroatischen Wirtschaftskooperation, EU-Initiativen, arbeitsrechtliche Reformen sowie sicherheits- und energiepolitische Perspektiven.
Die Kalenderwoche 16 markiert im deutsch kroatischen Wirtschaftsraum eine Phase neuer strategischer Klarheit, zugleich aber auch wachsender makroökonomischer Spannungen. Anders als in den Vorwochen treten nun mehrere zeitgleich relevante Signale auf, die für unternehmerische Entscheidungen unmittelbar handlungsleitend sind. Prägend sind erstens die deutlich verschlechterte konjunkturelle Lageeinschätzung für Deutschland, zweitens die neue Wachstums und Inflationsbewertung Kroatiens durch internationale Institutionen, drittens eine konkrete Intensivierung der bilateralen Technologie Zusammenarbeit im Bereich Wasserstoff und viertens eine klare Verschiebung der Investitionslogik auf EU Ebene zugunsten von Energie Resilienz, Netzinfrastruktur und Deep Tech.
In Deutschland veröffentlicht das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie am 16. April seine wirtschaftliche Lageeinschätzung für April 2026 und spricht ungewöhnlich offen von einer spürbaren Abschwächung der wirtschaftlichen Aktivität im ersten Quartal. Industrieproduktion und Konsum bleiben schwach, der Bausektor verzeichnet witterungsbedingte Verluste und die Stimmung bei Unternehmen wie Verbrauchern hat sich nach einem kurzen Jahresauftakt erneut eingetrübt. Die Eskalation des Nahost Konflikts und die daraus resultierenden Energiepreissteigerungen werden nicht mehr als temporäres Risiko, sondern als struktureller Belastungsfaktor für das zweite Quartal eingeordnet. Die Inflationsrate steigt im März auf 2,7 Prozent, vor allem energiegetrieben, während Insolvenzen im Vergleich zum Vormonat um 17 Prozent zunehmen. Für Unternehmen aus Kroatien, die eine Marktexpansion nach Deutschland prüfen, erhöht sich damit die Bedeutung belastbarer Finanzierung, Preisweitergabefähigkeit und eines klaren Branchenfokus auf geförderte Sektoren. 1
Diese Einschätzung wird in der gleichen Woche durch neue Stimmungsindikatoren bestätigt. Der ZEW Index für Konjunkturerwartungen fällt im April auf den niedrigsten Stand seit über drei Jahren. Besonders Industrie, Chemie, Metallverarbeitung und inzwischen auch der Bau zeigen eine deutliche Erwartungsverschlechterung. Für den deutsch kroatischen Wirtschaftsraum bedeutet dies keine generelle Investitionspause, wohl aber eine selektive Verlagerung von Vorhaben von konsumgetriebenen Märkten hin zu staatlich flankierten Investitionen in Infrastruktur, Energie und Technologie. 2
Parallel dazu legt das Bundesfinanzministerium neue Haushalts und Finanzzahlen für das erste Quartal 2026 vor. Trotz steigender Ausgaben insbesondere für Investitionen und laufende Zuschüsse sinken die Steuereinnahmen deutlich, was den politischen Druck erhöht, Investitionen stärker zu priorisieren und Projekte schneller umzusetzen. Für Anbieter aus Kroatien entstehen dadurch Chancen bei öffentlichen Aufträgen, die aufgrund des Investitionsanstiegs in selectiven Segmenten schneller ausgeschrieben werden dürften. 3
Auf europäischer Ebene setzt die Europäische Investitionsbank in dieser Woche einen besonders klaren Akzent. Am Rande der Hannover Messe bestätigt die EIB neue Investitionen und Garantien in Höhe von über 2,4 Milliarden Euro für Energie Resilienz, Stromnetze, Halbleiter, Robotik, KI und Deep Tech. Ein zentrales Element ist eine Garantie Struktur mit Commerzbank, die bis zu 2 Milliarden Euro Investitionen in Stromnetze in Deutschland und weiteren EU Staaten mobilisieren soll. Diese Programme sind explizit an mittelständische Unternehmen und Projektgesellschaften adressiert und damit auch für kroatische Technologieanbieter relevant, die entweder als Zulieferer oder als Projektpartner auftreten wollen. Die Förderlogik für 2026 wird damit nochmals klarer auf Energie Sicherheit, Netzstabilität und strategische Souveränität ausgerichtet. 4
Kroatien selbst steht in dieser Woche vor einer neuen makroökonomischen Bewertung. Der Internationale Währungsfonds senkt seine Wachstumsprognose für 2026 auf 2,6 Prozent und hebt zugleich die Inflationserwartung deutlich auf 4,4 Prozent an. Treiber bleiben Energiepreise und geopolitische Risiken. Das kroatische Wirtschaftsministerium verweist auf die weiterhin überdurchschnittliche Wachstumsdynamik im EU Vergleich, erkennt jedoch offen an, dass Energieversorgung und Preisstabilität die zentralen Risikofaktoren bleiben. Auch der kroatische Arbeitgeberverband HUP warnt, dass Inflation und steigende staatliche Lohnkosten die Budgetspielräume verengen. Für Investoren verschiebt sich damit der Fokus noch stärker auf Projekte mit realwirtschaftlicher Wertschöpfung, Exportorientierung und Förderzugang. 56
Ein strategisch besonders relevantes Ereignis der Woche ist der Besuch einer kroatischen Unternehmensdelegation in Bayern im Rahmen des Programms „Bavaria Fit for Partnership“. Vom 13. bis 16. April stehen Wasserstoff, Elektrolyse, Speicher, Netzintegration und digitale Steuerungssysteme im Mittelpunkt. Der direkte Austausch mit bayerischen Technologieunternehmen verdeutlicht, dass Kroatien nicht nur als Absatzmarkt, sondern zunehmend als Projektstandort und Pilotregion für grüne Energielösungen wahrgenommen wird. Für KWVD Mitglieder ergeben sich hier konkrete Kooperationsansätze bei Industrieprojekten, Ausbildungsprogrammen und Zulieferstrukturen entlang der Wasserstoff Wertschöpfungskette. 7
Auch aus Sicht der Immobilien und Standortentwicklung ergeben sich neue Hinweise. Internationale Investoren fordern in der Präsentation des kroatischen White Book 2026 eine stärkere Ausrichtung auf hochwertige Exporte, produktive Investitionen und effizientere Verwaltungsprozesse. Immobilienprojekte bleiben attraktiv, stoßen jedoch zunehmend auf Grenzen bei Preisniveau, Arbeitskräften und Genehmigungsdauer. Für deutsche Investoren bedeutet dies, dass Projekte mit Industrie, Logistik, Energie oder gemischt genutzten Konzepten bessere Perspektiven haben als klassische Wohn und Ferienimmobilien. 8

