Executive Summary 10/2026

Executive Summary 10/2026

Liebe Mitglieder und Partner,

das dieswöchigen Executive Summary für die KW 10 / 2026 bietet wie immer mit dem Fokus auf neue Entwicklungen in der deutsch-kroatischen Wirtschaftskooperation, EU-Initiativen, arbeitsrechtliche Reformen sowie sicherheits- und energiepolitische Perspektiven.


Die erste Märzwoche bringt für den deutsch kroatischen Wirtschaftsraum mehrere neue Impulse, die sowohl von geopolitischen Entwicklungen als auch von Investitionsprogrammen und Branchenindikatoren geprägt sind. Dabei verdichten sich gleich mehrere Signale, die für Unternehmen mit strategischem Interesse in Deutschland und Kroatien konkrete Handlungsrelevanz besitzen. Besonders auffällig sind diese Woche die energiepolitischen Verschiebungen im Zuge der Iran Krise, der Beginn wichtiger europäischer und nationaler Förder und Investitionsinitiativen sowie neue arbeitsmarkt und branchenspezifische Entwicklungen in Kroatien.

In Europa steht der Besuch des Vorstands der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in Kroatien im Mittelpunkt, der vom 1. bis 6. März stattfindet und eine klare Neubewertung der wirtschaftlichen Prioritäten des Landes erkennen lässt. Die Delegation trifft Regierung, Finanzsektor und privatwirtschaftliche Akteure, um über Wettbewerbsfähigkeit, Kapitalmarktentwicklung und die grüne Transformation zu sprechen.

Von besonderer Bedeutung sind die Schwerpunkte auf Energieeffizienz, erneuerbare Energien und die Stärkung des privaten Sektors. Für deutsche Unternehmen, die in Kroatien investieren oder Partnerschaften mit kroatischen Firmen anstreben, ergibt sich daraus ein höherer Grad an institutioneller Unterstützung und Koordinierung in zentralen Transformationsfeldern wie Klima, Energie und KMU Finanzierung. Auch die geplanten Besuche von EBRD Projekten außerhalb Zagrebs signalisieren, dass regionale Entwicklung zunehmend in den Fokus rückt. 1

Parallel dazu richtet die Europäische Investitionsbank mit dem EIB Group Forum vom 3. bis 5. März einen der wichtigsten Debattenräume für die europäische Industriepolitik in Luxemburg aus. Unter Beteiligung der EU Kommission werden Investitionsprioritäten für Energie, Infrastruktur, Digitalisierung, Verteidigung und Wettbewerbsfähigkeit gesetzt. Für Unternehmen ist die Veröffentlichung des neuen EIB Investment Reports 2026 zentral, der Investitionstrends von mehr als dreizehntausend europäischen Firmen auswertet und damit unmittelbar die Kredit und Förderkonditionen der kommenden Monate beeinflusst. Die Schwerpunkte reichen von Energie und Klimaschutz über technologische Sicherheit bis hin zu neuen europäischen Finanzierungsinstrumenten. Diese Woche markiert damit einen sichtbaren Startpunkt für die europäische Investitionsagenda 2026. 2

Auf dem kroatischen Arbeitsmarkt werden diese Woche neue Daten zur Tourismusbranche veröffentlicht, die einen weiter zunehmenden Arbeitskräftemangel belegen.

Laut kroatischem Arbeitgeberverband fehlen für die Saison 2026 rund fünftausend zusätzliche Arbeitskräfte. Besonders gesucht werden Köche, Servicekräfte und Zimmerpersonal.

Um im Wettbewerb mit anderen Mittelmeerländern Schritt zu halten, erhöhen die Betriebe Löhne und Zusatzleistungen, darunter Unterkunft und Verpflegung.

Die Einstellung ausländischer Beschäftigter nimmt weiter zu, vor allem aus Bosnien und Herzegowina, Nepal und den Philippinen. Die Zahlen zeigen, dass Kroatien 2025 bereits über fünfundfünfzigtausend Arbeitsgenehmigungen im Tourismus ausgestellt hat und die Rekrutierung in Drittstaaten weiter an Bedeutung gewinnt.

Dies hat direkte Auswirkungen auf Personalplanung, Lohnkostenstruktur und operative Stabilität im Tourismus sowie auf die Zulieferindustrien wie Logistik, Bau und Gastronomieausstattung. Für deutsche Unternehmen, die im Tourismussektor in Kroatien aktiv sind oder Dienstleistungen anbieten, wird die frühzeitige Absicherung von Kapazitäten zu einem strategischen Faktor. 3

Wirtschaftspolitisch wichtig ist der Start der neuen jährlichen Konjunkturumfrage der Deutsch Kroatischen Industrie und Handelskammer, die am 2. März beginnt und bis Ende März läuft. Die AHK erhebt die Erwartungen deutscher und kroatischer Unternehmen zu Investitionen, Beschäftigung und Standortbedingungen. Auch wenn die Ergebnisse erst im April vorliegen werden, ist der Startzeitpunkt relevant, weil Unternehmen im bilateralen Wirtschaftsraum ihre strategische Ausrichtung in einem zunehmend herausfordernden Umfeld überprüfen. Die Umfrage dient als Grundlage für die Interessenvertretung gegenüber Ministerien und kann Hinweise darauf geben, wo sich regulatorische oder steuerliche Entlastungen als besonders dringend erweisen. 4

Die geopolitische Lage beeinflusst diese Woche die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen besonders stark. Wegen der Eskalation im Iran steigt der Ölpreis innerhalb weniger Tage um bis zu neun Prozent. Deutsche Wirtschaftsverbände, darunter die DIHK und der Handelsverband HDE, warnen vor möglichen Lieferkettenstörungen und höheren Energiepreisen. Auch die Gaspreise ziehen an, nachdem Teile der LNG Produktion in Katar vorübergehend eingeschränkt wurden. Die DIHK betont, dass Deutschland weiterhin stark von Öl und LNG Importen abhängig sei und dass der Golf als globaler Knotenpunkt in Container und Luftfrachtverkehr empfindlich auf Störungen reagiere.

Für kroatische Unternehmen, die energieintensiv produzieren oder nach Deutschland exportieren, steigen damit die operativen Risiken. Umgekehrt gewinnen Investitionen in Energieeffizienz, erneuerbare Energien und optimierte Logistikketten weiter an Bedeutung. 5

In der europäischen Energiepolitik setzt Kroatien diese Woche ein wichtiges Signal, indem es bestätigt, dass es bereit ist, die Ölversorgung Ungarns und der Slowakei über seine Infrastruktur abzusichern. Die Meldung unterstreicht die strategische Rolle des Adria Ölkorridors, der für Mitteleuropa zunehmend relevant wird, da geopolitische Abhängigkeiten im Fokus stehen.

Für den deutsch kroatischen Wirtschaftsraum bedeutet das eine Verstärkung der Infrastrukturkooperation und eine Aufwertung Kroatiens als Energie Transitland. Dies kann mittelbar die Investitionsbereitschaft im Bereich Energie und Logistik erhöhen. 6

Im deutschen Förder und Finanzierungsumfeld tritt ab dem 2. März eine Reform der KfW Konditionen für klimafreundlichen Neubau in Kraft. Die staatliche Förderbank senkt die Zinsen für Effizienzhaus 55 und Effizienzhaus 40 Vorhaben deutlich. Für das Effizienzhaus 55 gilt nun ein effektiver Jahreszins von einem Prozent, für den anspruchsvolleren Effizienzhaus 40 Standard 0,6 Prozent, jeweils bei zehn Jahren Laufzeit und Zinsbindung. Das gilt für Wohn und Nichtwohngebäude gleichermaßen. Für kroatische Unternehmen, die sich am deutschen Markt im Bau, in der Gebäudetechnik oder in der Energieeffizienz positionieren möchten, verbessern sich damit die Einstiegskonditionen erheblich. Deutsche Immobilieninvestoren können Projekte schneller realisieren, was auch die Nachfrage nach kroatischen Baupartnern stärkt. Die Bundesregierung signalisiert damit klar, dass klimafreundliche Neubauaktivitäten in diesem Jahr beschleunigt werden sollen. 7

Ebenfalls in dieser Woche beginnt in München die Internationale Handwerksmesse zusammen mit dem Kongress Zukunft Handwerk. In Präsenz der Bundespolitik und zahlreicher Spitzenvertreter werden Themen wie Energie, Modernisierung, Arbeitskräftemangel und Digitalisierung diskutiert. Der ZDH nutzt die Gelegenheit, erneut auf strukturelle Standortprobleme hinzuweisen und Reformtempo zu fordern. Für kroatische Unternehmen mit handwerksnahen Dienstleistungen oder Baubezug bietet die Messe einen direkten Zugang zu deutschen Partnern und Marktinformationen. Die politische Signalisierung, dass der Mittelstand stärker entlastet werden soll, kann die Kooperationsbereitschaft deutscher Unternehmen erhöhen. 8

Nicht zuletzt treten in Deutschland zum Monatsbeginn März mehrere gesetzliche Änderungen in Kraft, die auch kroatische Marktteilnehmer betreffen. Das Standortfördergesetz setzt neue Anreize für Startups und private Investitionen, indem Prüf und Meldepflichten reduziert werden. Gleichzeitig steigen Zusatzbeiträge zur Krankenversicherung für Rentner und es gelten neue Versicherungspflichten für leichte Fahrzeuge. Für kroatische Unternehmen, die den deutschen Markt betreten, bedeuten diese Änderungen leicht verbesserte Investitionsbedingungen, aber auch neue administrative Anforderungen bei Beschäftigung und Sozialbeiträgen. 9

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