Liebe Mitglieder und Partner,
nach der kurzen Winterpause melden wir uns zrück mit dem dieswöchigen Executive Summary für die KW 03 / 2026.
Wie immer mit dem Fokus auf neue Entwicklungen in der deutsch-kroatischen Wirtschaftskooperation, EU-Initiativen, arbeitsrechtliche Reformen sowie sicherheits- und energiepolitische Perspektiven.
Deutschland startet 2026 in einer konjunkturell zwiespältigen Lage: Die amtlichen Frühindikatoren deuten auf eine Stabilisierung ohne spürbaren Aufschwung, während außenwirtschaftliche Gegenwinde – allen voran Zollerhöhungen und schwache Auslandsnachfrage – die Exportperspektiven dämpfen. Das Bundeswirtschaftsministerium beschreibt in seinen „Schlaglichtern“ für den Jahresbeginn eine Wirtschaft zwischen belastetem Außenhandel und vorsichtiger Binnenerholung; dies deckt sich mit den Einschätzungen großer Medienanalysen, wonach hohe Energiekosten und strukturelle Anpassungen weiter auf der Industrie lasten. Gleichzeitig sorgt die Preisentwicklung für Entlastung: Die Inflationsrate fiel im Dezember 2025 auf 1,8 % (HVPI 2,0 %), die Kerninflation auf 2,4 %, womit real verfügbare Einkommen und Investitionskalkulationen Rückenwind erhalten.
Politisch setzt die Bundesregierung 2026 auf Rekordinvestitionen von über 128 Mrd. € und auf Kostendämpfung bei den Netzentgelten; die Ausweitung der steuerlichen Forschungszulage soll private F&E stärker hebeln, jedoch mahnen Institute und Medien die Grenzen eines rein fiskalisch getragenen Impulses ohne tiefgreifende Standortreformen an.
In Summe bleibt die Erwartung für Deutschland ein vorsichtiges Wachstum, bei dem Kostenkontrolle, Energie‑ und Bürokratieentlastung sowie gezielte Innovationsförderung über Erfolg oder Stagnation entscheiden. 1234
Kroatien hingegen bleibt – trotz konjunktureller Abkühlung – über EU‑Trend: Die EU‑Kommission prognostiziert 2,9 % BIP‑Wachstum für 2026 bei niedriger Arbeitslosigkeit, das Finanzministerium bestätigt ein moderates Defizitziel (2,9 %) und eine Inflationsrate um 2,8 %. Belastbar ist vor allem die Binnennachfrage; zusätzlich setzt die Regierung einen strategischen Schwerpunkt auf Verteidigung und Sicherheitsindustrien, was den industriellen Kapitalstock stärkt und Lieferketten modernisiert. GTAI verweist auf steigende Wehretats, Wiedereinführung der Wehrpflicht und entstehende internationale Industriekooperationen, die Anschlussmöglichkeiten für deutsche Unternehmen eröffnen. Der Tourismussektor, 2025 ein Rekordträger mit 21,8 Mio. Ankünften und 110,1 Mio. Übernachtungen, steht 2026 vor einem Preiskompetenz‑Test – relevant für HR‑Planung, Saisonlogistik und Dienstleistungsqualität. Für Investoren und Exporteure ist damit ein Umfeld gegeben, in dem stabile Nachfrage, Verwaltungsreformen und EU‑Mittel zusammenspielen, zugleich aber Preissensibilität und Produktivitätsfortschritte erwartet werden. 5678
Für die deutsch‑kroatischen Wirtschaftsbeziehungen ergeben sich daraus klare Handlungsachsen. Erstens ist die Finanzierung grüner und digitaler Investitionen leichter zugänglich als in den Vorjahren: Die Europäische Investitionsbank hat über HBOR einen neuen Rahmen aufgesetzt (erste Tranche 150 Mio. € von insgesamt 350 Mio. €), mindestens 30 % davon für grüne Projekte – Energieeffizienz, Erneuerbare, saubere Mobilität. Parallel stellt die EIB über PBZ weitere 100 Mio. € für KMU/Mid‑Caps bereit, mit einer Quote für grüne Vorhaben. Diese Linien lassen sich mit nationalen Programmen kombinieren und sind für bilaterale Projekte (z. B. PV + Speicher bei Industrie und Gewerbe, kommunale Sanierung, E‑Mobilität) besonders interessant. Auch auf deutscher Seite bekräftigt die Regierung 2026 Investitionsprioritäten; die Ausweitung der Forschungszulage auf eine Bemessungsobergrenze von 12 Mio. € macht technologie‑ und produktivitätsorientierte Vorhaben attraktiver. Der Hebel liegt in der Kombination: EIB/HBOR/PBZ als günstiges, langfristiges Fremdkapital, verbunden mit deutscher F&E‑Förderung und EU‑Auktionsmechanismen, etwa über die European Hydrogen Bank, die „Auctions‑as‑a‑Service“ nutzt und OPEX‑Stützen für Wasserstoffanwendungen ermöglichen kann. 91011312
Zweitens prägen 2026 zwei Digitalreformen die operative Steuer‑ und Arbeitsrealität: In Kroatien ist mit „Fiskalization 2.0“ die verpflichtende B2B‑E‑Rechnung gestartet – XML‑basierte, cloudfähige Prozesse ersetzen Papier‑ und PDF‑Rechnung, was Transparenz, Echtzeit‑Prüfbarkeit und Compliance verbessert und die Administration erleichtert. Unternehmen sollten ihre ERP‑Systeme an die Testumgebungen (Fina) anbinden und Serviceangebote etwa der kroatischen Post oder von HT nutzen, um die technische und rechtliche Konformität sicherzustellen.
In Deutschland wirkt das Bürokratieentlastungsgesetz IV spürbar in die HR‑Praxis hinein: Viele Nachweis‑ und Informationspflichten sind nun in Textform erfüllbar, womit digitales Onboarding, elektronische Vertragsunterlagen und revisionssichere Ablage ohne Medienbruch möglich werden. Zusammen mit der Aktivrente – steuerfreier Hinzuverdienst bis 2.000 € monatlich – verbessert das die Verfügbarkeit erfahrener Arbeitskräfte und senkt Transaktionskosten in Personalprozessen. Für grenzüberschreitende Lieferketten entsteht so ein doppelter Effizienzgewinn: beschleunigte Rechnungs‑ und Zahlungsprozesse in HR sowie zügigere, rechtssichere HR‑Abläufe in DE. 13141516
Drittens verschieben sich Grenz‑ und Entsendeprozesse in Europa Richtung biometrischer Echtzeit‑Kontrolle: Das Entry/Exit‑System (EES) wird zwischen Oktober 2025 und April 2026 an deutschen Luft‑ und Seeaußengrenzen schrittweise ausgerollt, ETIAS folgt in der letzten Jahresspanne 2026. Für Unternehmen bedeutet dies: Aufenthaltsdauern von Drittstaatsangehörigen in der Schengen‑Kurzaufenthaltsschiene werden automatisch erfasst; Überziehungen werden sichtbar und sanktionierbar. Besonders im Bau, in Montage und Serviceeinsätzen bleibt daher das Van‑der‑Elst‑Regime zentral – mit der klaren Auflage, dass nur vorübergehende Dienstleistungen (keine dauerhafte, stabile Tätigkeit) privilegiert sind und Einsätze über 90 Tage im 12‑Monats‑Zeitraum ein spezielles Visum erfordern. Die einschlägigen Merkblätter des Auswärtigen Amts sowie Entscheidungen des Bundesverwaltungsgerichts betonen die Abgrenzung zur Niederlassung; kommunale Informationen (z. B. Frankfurt) konkretisieren die Praxis.
Für die Bauwirtschaft gibt es in dieser Woche keine materiellen Gesetzesänderungen, aber operativ erhöht EES den Druck, Entsendungen mit sauberer Dokumentation (Arbeitsverhältnis im Entsendestaat, Weisungsfreiheit, konkrete Projektlaufzeit, A1/Posted‑Workers‑Meldungen) und präzisem Tage‑Tracking zu steuern. Unternehmen sollten daher Entsende‑Dossiers digitalisieren, interne 90/180‑Kalender führen und Grenzfälle (Serienprojekte am selben Standort) juristisch vorprüfen, um den „Dauercharakter“ zu vermeiden. 17181920
Viertens ergeben sich im Immobilien‑ und Tourismussektor Kroatiens selektive Chancen unter erhöhten Compliance‑Standards. Die Modernisierung des Maklerrechts zielt auf stärkeren Kundenschutz und Markttransparenz; parallel verschärfen digitale Steuerprozesse und die angekündigte Hospitality‑Novelle den Vollzug gegenüber unregistrierten Angeboten. Investoren und Betreiber sollten Ertragsmodelle gegen Preiselastizität und Off‑Season‑Nachfrage stress‑testen (TOMAS‑Studienumfeld) und energetische Sanierungen mit EIB‑Instrumenten koppeln, da Bezahlbarkeit und Energieeffizienz politisch priorisiert werden.
Der rekordhohe Tourismus 2025 verdeckt nicht, dass 2026 ein professionellerer, preissensiblerer Markt zu erwarten ist; Qualität, ESG‑Profil und digitale Gästekonversion werden entscheidend für ADR und Auslastung. 2113118
Für Handels‑ und Industriebetriebe beidseits der Adria folgt daraus ein klarer Fahrplan für 2026. In Deutschland sind F&E‑Projekte über die aufgestockte Forschungszulage zu priorisieren, flankiert von Energie‑ und Effizienzmaßnahmen, die von Netzentgelt‑ und Stromsteuerentlastungen profitieren; in Kroatien ist die frühzeitige ERP‑Integration der E‑Rechnung und die Nutzung von HBOR/EIB‑Linien zur Finanzierung grüner CAPEX der logische Schritt.
Auf der Entsendeseite erfordern EES und die gefestigte Van‑der‑Elst‑Praxis präzise, digitale Compliance – von der Vertragsgestaltung über die Posted‑Workers‑Meldungen bis zur tagesgenauen Aufenthaltssteuerung.
Im grünen Transformationsfeld eröffnen EU‑Auktionen (Hydrogen Bank) sowie EIB‑Ko‑Finanzierungen Spielräume, um DE‑HR‑H2‑Brücken zu schlagen und OPEX‑Risiken über Auktionsmechanismen abzusichern. Im Immobilien‑ und Tourismussektor lohnt sich ein selektives, qualitätsfokussiertes Vorgehen mit ESG‑Sanierung, digitalem Revenue‑Management und sauberer steuerlicher Prozessintegration.
Kurz: 2026 belohnt jene, die Finanzierungslinien intelligent kombinieren, Prozesse konsequent digitalisieren und regulatorische Veränderungen – von der E‑Rechnung bis zur biometrischen Grenzerfassung – proaktiv in ihre Geschäftsmodelle übersetzen. 39121317
(Quellen: Bundeswirtschaftsministerium/BMWK „Schlaglichter“; Destatis; Bundesregierung (Neuregelungen Jan. 2026); EU‑Kommission/Economy & Finance (Croatia Forecast); kroatisches Finanz‑/Wirtschaftsministerium (Fiscalization 2.0, MINGO); GTAI Kroatien; EIB/HBOR/PBZ‑Pressemitteilungen; BMI zum EES‑Rollout; AA‑Merkblatt Van‑der‑Elst; BVerwG‑Rechtsprechung; Total Croatia News/DZS für Tourismus/Statistik – siehe jeweils zitiert).


