Executive Summary 07/2026

Executive Summary 07/2026

Liebe Mitglieder und Partner,

das dieswöchigen Executive Summary für die KW 07 / 2026 bietet wie immer mit dem Fokus auf neue Entwicklungen in der deutsch-kroatischen Wirtschaftskooperation, EU-Initiativen, arbeitsrechtliche Reformen sowie sicherheits- und energiepolitische Perspektiven.

Die wirtschaftliche Nachrichtenlage dieser Woche im deutsch‑kroatischen Raum bringt wenige, aber in der Substanz bedeutsame neue Impulse für Unternehmensentscheidungen. Auf deutscher Seite signalisieren die jüngsten Produktionsdaten des Statistischen Bundesamts für Dezember einen Rücksetzer um 1,9 Prozent gegenüber dem Vormonat, vor allem getrieben durch deutliche Dämpfer in der Automobilindustrie sowie im Maschinenbau, während Bauaktivitäten zulegten. Das Bild bleibt gemischt, denn im Dreimonatsvergleich liegt die Produktion noch 0,9 Prozent über dem vorherigen Zeitraum. Für das erste Quartal 2026 heißt das: kurzfristig vorsichtige Taktung bei Investitionsgütern, parallel Chancen in Bausegmenten und „anderen Transportmitteln“ sowie Nutzen aus jüngst robusten Export‑ und Auftragseingängen im Dezember. 123

Makroseitig prägt Berlin mit dem beschlossenen Jahreswirtschaftsbericht und der anschließenden Kommunikationslinie in den „Schlaglichtern“ eine leicht optimistischere Erwartung. Die Projektion von 1,0 Prozent realem BIP‑Wachstum 2026 speist sich wesentlich aus fiskalischen Impulsen für Infrastruktur, Klimaneutralität und Verteidigung sowie aus Entlastungen wie verbesserter Abschreibung, während außenwirtschaftliche Bremsen fortbestehen. Für exportorientierte Mittelständler bleibt die Risikolage damit zweigeteilt, für Anbieter in Bau, Energie, Digitalisierung und Sicherheitstechnik öffnen sich überproportionale Nachfragefenster. 45

Parallel setzt die Bundesregierung einen neuen Baustein für Auslandsengagements des Mittelstands: Mit dem „Förderlotsen Wachstumsmärkte“ steht eine KI‑gestützte Plattform bereit, die Förder‑, Finanzierungs‑ und Beratungsangebote der Außenwirtschaftsförderung und Entwicklungszusammenarbeit erstmals integriert ausspielt. Für deutsche und kroatische Unternehmen, die gemeinsam Dritt‑ und Wachstumsmärkte bedienen, lässt sich dadurch die Förderpassung zu Projekten in Energie, Wasser, Gesundheit, Justiz‑Digitalisierung oder Ausbildung schneller prüfen und im Konsortium strukturieren. Der operative Mehrwert ist sofort nutzbar, da die Plattform bereits live ist. 6

Auf kroatischer Seite liefert das Statistikamt erstmals ein Flash‑Signal zur Preisentwicklung 2026: Die Verbraucherpreise zogen im Januar im Jahresvergleich auf 3,4 Prozent an, nach 3,3 Prozent im Dezember. Zugleich meldete DZS einen Anstieg der Übernachtungen im Dezember 2025 um 7,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr, was die Belastbarkeit der Nebensaison untermauert und für Personal‑ und Preisstrategien im Tourismus‑Ökosystem wichtig bleibt. Für deutsche Anbieter von Energie‑ und Effizienzlösungen im Gastgewerbe sowie für Personal‑ und Logistikdienstleister ergeben sich damit konkrete Ansatzpunkte zum Saisonstart. 7

Ein deutliches Pro‑Signal für Investitionen ist die Bestätigung der Europäischen Kommission, Kroatien die achte Auszahlung aus der Aufbau‑ und Resilienzfazilität über 896,9 Millionen Euro zu bewilligen. Hinterlegt sind erfüllte Meilensteine und Ziele in einer breiten Palette von Sektoren, darunter Gesundheit mit mobilen Apothekendiensten für Insel‑ und Randregionen, Anpassungen der Pensionsfonds‑Regulierung, Verwaltungskonsolidierung sowie Fortschritt bei Energie‑ und Infrastrukturprojekten wie der Pipeline Zlobin–Bosiljevo. Für deutsch‑kroatische Konsortien in Energie, Bau, MedTech, Mobilität und GovTech erhöht sich damit die Wahrscheinlichkeit zügiger Mittelabrufe und Co‑Finanzierungen aus EU‑Quellen. Auch regionale Wirtschaftsmedien heben die Summe und den Fortschritt hervor, was die Marktwahrnehmung stabilisiert. 89

Für Hessen und den Standort Deutschland kommen in dieser Woche zwei Signale aus den Spitzenverbänden hinzu. Der BDI mahnt anlässlich des EU‑Leitertreffens erneut eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und warnt vor industriepolitischen „Local‑Content‑Standards“ als generellem Instrument, während die VhU in Hessen ihre Stellungnahme zur Rechenzentrumsstrategie veröffentlicht und regulatorische Planungssicherheit für Ansiedlungen betont. Für Anbieter aus Kroatien mit Fokus Rechenzentrumsbau, Energiemanagement, Kühlung, Photovoltaik und IT‑Security ergeben sich daraus realistische Andockpunkte im Rhein‑Main‑Gebiet. 1011

Arbeits‑ und sozialpolitisch markiert die Woche zwei Punkte, die unmittelbar in HR‑ und Compliance‑Prozesse hineinwirken. Zum einen konkretisieren Handwerks‑ und Arbeitgeberkreise den Zeitplan und die Fristen für Jahres‑ und UV‑Meldungen in der Sozialversicherung, die im Februar fällig sind. Besonders für neue deutsche Zweigniederlassungen kroatischer Unternehmen lohnt sich ein kurzer „Health‑Check“ der Meldekette zwischen Lohnbüro, Krankenkassen und UV‑Trägern, um Beitrags‑ und Prüfungsrisiken zu vermeiden. Zum anderen unterstützt die BDA die geplante Reform der Sicherheitsbeauftragten in KMU als sinnvollen Schritt zum Bürokratieabbau, was für Bau‑ und Handwerksunternehmen mit 20 bis 250 Beschäftigten, die auf beiden Seiten der Adria operieren, unmittelbare organisatorische Entlastungen bringen kann, sobald die Regelung in Kraft tritt. 1213

Aus Branchensicht ergeben sich für die kommenden Wochen mehrere Handlungsfelder mit unmittelbarem Nutzen. Erstens sollten Anbieter mit deutschem Produktions‑ oder Engineering‑Footprint die aktuelle Delle in der Industrieproduktion nutzen, um Service‑ und Modernisierungsangebote im Bestandsgeschäft vorzuziehen und sich in Bau‑nahen Losen zu positionieren, die laut Destatis zum Jahresende hin an Fahrt aufgenommen haben. Zweitens empfiehlt sich für Konsortien im kroatischen Markt ein schnelles „Funding‑Match“ der eigenen Projektpipelines mit den förderfähigen RRF‑Meilensteinen und nachgelagerten Strukturfondsfenstern. Drittens ist für alle Unternehmen mit Außenwirtschaftsambitionen die neue Förderlotsen‑Plattform ein operativer Hebel, um Förderfähigkeit und Ansprechpartner in einem Schritt abzugleichen und Anträge auf solide Beine zu stellen. Viertens sollten Tourismus‑ und Hospitality‑Zulieferer die Winterdaten auswerten und Preis‑ und Personalkapazitäten für Ostern und Frühsommer feinjustieren. 1567

Zusammengefasst entsteht in dieser Woche ein Bild aus drei Bausteinen, die neu und entscheidend sind. Deutschland liefert mit den Dezember‑Industriedaten einen kurzfristigen Dämpfer, der strategisch jedoch Opportunitäten in Bau und ausgewählten Teilsegmenten öffnet. Kroatien erhält einen kräftigen EU‑Finanzimpuls und bestätigt mit Tourismus‑ und Preisindikatoren die solide Binnenlage bei gleichzeitiger Notwendigkeit, Kosten‑ und Lohnpfade eng zu steuern. Die Bundesregierung erleichtert Markterschließungen mit einem digitalen Förderlotsen, während Verbände in Hessen und auf Bundesebene Standortsicherheit, Planungsbeschleunigung und Bürokratieentlastung adressieren. Für Unternehmen, die zwischen Deutschland und Kroatien investieren, produzieren oder Dienstleistungen skalieren, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, Projekte mit EU‑ und EIB‑Komponenten zu finanzieren, die Angebotsportfolios entlang Bau, Energie, Digitalisierung und Gesundheit auszurichten und HR‑ sowie Compliance‑Prozesse für den Frühjahrsaufschwung zu schärfen. 18611

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