KWVD has access to leaders ​

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Im Gespräch mit Rainer Waldschmidt, Geschäftsführer der Hessen Trade & Invest, über Verantwortung, Teamarbeit und die Rolle von Innovation, Internationalisierung und starken Netzwerken für Hessen. Ein Blick hinter die Kulissen moderner Wirtschaftsförderung.

Persönlich & Karriere

Herr Waldschmidt, was hat Sie in den Bereich Wirtschaftsförderung und Standortentwicklung geführt? War das schon immer Ihre berufliche Leidenschaft?

Nach meinem beruflichen Aufenthalt in den USA war ich im Wirtschaftsministerium in Wiesbaden tätig und kam dort mit den Themen Wirtschaftsförderung und Standortentwicklung in Berührung. Das war zwar ungeplant, aber rückblickend passte das alles und war in sich konsequent.

Sie sind Geschäftsführer der Hessen Trade & Invest GmbH (und auch der HA Hessen Agentur GmbH) – welche besonderen Herausforderungen bringt diese Position mit sich?

In dieser Position bin ich in erster Linie exekutiv für die Landesregierung tätig. Da wir mit Steuergeldern arbeiten, tragen wir eine große Verantwortung. Der Fokus unserer Arbeit als Wirtschaftsförderer liegt vor allem auf KMU. Wenn Marktversagen herrscht, dann sind einige der Unternehmen zu klein. Das trifft dann oft auch junge Unternehmen, also Start-ups. Unsere Aufgabe ist es, Kontinuität und Stärke aufzubauen.

Welche Erfahrungen aus Ihrer bisherigen Laufbahn haben Sie auf diese Rolle vorbereitet?

Meine technische Ausbildung und meine Arbeit in der freien Wirtschaft haben mein Grundverständnis für Innovation geprägt. Acht Jahre im Wirtschaftsministerium mit den Schwerpunkten Technologie, Innovation und Wirtschaftsförderung haben mich schließlich in meine jetzige Rolle hineinwachsen lassen. Die wichtigste Erkenntnis aus all diesen Stationen ist jedoch: Alles ist Teamarbeit.

Gab es ein Schlüsselerlebnis, das Ihre Sicht auf Wirtschaftsstandortentwicklung und Unternehmensförderung maßgeblich geprägt hat?

Die Entwicklung von Sanofi ist besonders spannend und erfreulich. Der Standort Frankfurt-Höchst ist der größte integrierte Einzelstandort für Forschung und Entwicklung sowie Produktion innerhalb der Sanofi-Gruppe. Darüber hinaus plant das Unternehmen, bis 2029 rund 1,3 Milliarden Euro in den Bau einer modernen Insulin-Produktionsanlage am Standort zu investieren. Auch die Region Fulda mit ihren vielen Standortvorteilen zählt zu den gelungenen Projekten. Die enge Zusammenarbeit von lokaler Wirtschaftsförderung, dem Kreis, den regionalen Unternehmen und vielen weiteren Akteuren ist absolut vorbildlich.

Welche Werte sind Ihnen in der Führung einer Wirtschaftsförderungsgesellschaft wie der HTAI besonders wichtig?

Für mich sind der interne Teamcharakter, die Expertise und der Zusammenhalt am wichtigsten. Als Dienstleister und Wirtschaftsförderer des Landes sind wir die Schnittstelle zu den Unternehmen. Dabei geht es nicht um Einzelakteure oder Einzelerfolge – letztere stehen den Unternehmen zu. Was zählt, sind die gemeinsamen Erfolge, die dann auch gefeiert werden dürfen.

Welche Rolle spielen Netzwerke und Partnerschaften in Ihrer Arbeit, insbesondere für die Förderung von Unternehmen in Hessen?

Netzwerke und Partnerschaften bilden die Grundlage für ein vertrauensvolles Miteinander. Enge, vertrauensvolle Partnerschaften – wie die langjährige mit Kroatien – ermöglichen Scouting, Strategieentwicklung und Steuerung. Netzwerke wiederum fördern den unabhängigen Austausch zwischen den einzelnen Akteuren. So entstehen wichtige Impulse.

Markt & Trends

Wie würden Sie die aktuelle wirtschaftliche Lage in Hessen beschreiben? Welche Branchen entwickeln sich besonders dynamisch?

Die hessische Wirtschaft präsentiert sich aktuell robust und befindet sich in einem vorsichtigen Aufwärtstrend. Der Fokus liegt auf Investitionen in Zukunftstechnologien und Infrastruktur, die durch Landesprogramme wie den Hessenfonds unterstützt werden, sowie auf einer moderat positiven Entwicklung von Beschäftigung und Konjunktur.

Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell für Unternehmen in Hessen, insbesondere angesichts globaler wirtschaftlicher Unsicherheiten?

Große Herausforderungen liegen u.a. in der Entzerrung von Lieferketten, dem Fachkräftemangel und der digitalen Transformation. Wir unterstützen die Unternehmen dabei, sich besser – insbesondere in den Bereichen Digitalisierung, Weiterbildung und Resilienz – zu wappnen.

Welche Chancen ergeben sich für hessische Unternehmen durch internationale Märkte und neue Handelsabkommen?

Internationale Märkte und neue Handelsabkommen eröffnen hessischen Unternehmen Wachstumsperspektiven, Kostenvorteile und Innovationsimpulse. So können sie ihre globale Position stärken und sich langfristig einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Welche Rolle spielen ausländische Investitionen für den Wirtschaftsstandort Hessen?

Internationale Investitionen sind eine strategische Säule für Hessen. Sie schaffen Arbeitsplätze, treiben den Technologiefortschritt voran und fördern die Infrastrukturentwicklung. Das stärkt Hessen als globalen Dreh- und Angelpunkt.

Nachhaltigkeit ist ein großes Thema in der Wirtschaft. Wie unterstützt die HTAI Unternehmen bei der Umsetzung von ESG-Kriterien und nachhaltigen Geschäftsmodellen?

Wir bieten Beratung und Informationsangebote, z. B. in Form von Leitfäden zur EU-CSR-Berichtspflicht (CSRD), und vermitteln Fördermittel. Über das Enterprise Europe Network (EEN Hessen) sind wir mit der EU vernetzt und vernetzen zudem innerhalb von Branchen und Technologieclustern.

Welche Trends in Digitalisierung und Innovation sehen Sie als besonders bedeutend für den Wirtschaftsstandort Hessen?

Hessen verfolgt eine ganzheitliche Digitalisierungsstrategie, die Infrastrukturinvestitionen, KI-Forschung, Sicherheit, KMU-Förderung und Smart-Region-Ansätze umfasst. Dafür stellt das Land knapp 425 Mio. Euro bereit.

Hessen ist ein wichtiger Logistik- und Finanzstandort. Welche Zukunftsperspektiven gibt es in diesen Bereichen?

Hessen baut seine Stärken als Logistikdrehscheibe und Finanzzentrum weiter aus – unterstützt durch Digitalisierung und Automatisierung. Damit positioniert sich Hessen als hochmoderner Wirtschaftsstandort im Herzen Europas.

Strategie & Unternehmertum

Was macht Hessen als Wirtschaftsstandort besonders attraktiv im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland?

Hessen ist ein innovativer, verkehrstechnisch gut angebundener und internationaler Wirtschaftsstandort. Die zentrale Lage und Erreichbarkeit Hessens ist ideal für internationale Unternehmen und die Logistikbranche. Hessen verfügt außerdem über starke Hochschulen und internationale Fachkräfte.

Welche Strategien verfolgt die HTAI, um Hessen für Investoren und Unternehmen noch attraktiver zu machen?

Wir stärken Hessen durch individuelle Beratung und Investoren-Support, den Aufbau starker Netzwerke und Start-up-Ökosysteme sowie durch internationale Verbindungen. Damit signalisieren wir nationalen und internationalen Unternehmen: Der Standort ist zukunftsfähig, technologieorientiert und investitionsfreundlich.

Wie unterstützt die HTAI Unternehmen dabei, sich international zu vernetzen und neue Märkte zu erschließen?

Mit verschiedenen Eintrittshilfen wie dem EEN-Netzwerk, Delegationsreisen und Messeauftritten sowie starkem Standortmarketing unterstützen wir Unternehmen auf ihrem Weg in neue Märkte. Das erleichtert es hessischen Unternehmen, internationale Geschäftsbeziehungen aufzubauen und Zugang zu globalen Märkten zu erhalten.

Welche Branchen oder Technologien sehen Sie als besonders zukunftsträchtig für Hessen?

Für den Wirtschaftsstandort Hessen zeichnen sich mehrere zukunftsträchtige Branchen und Technologien ab. Dazu gehören unter anderem Umwelttechnologien, künstliche Intelligenz und Digitalisierung, Smart Logistics und Mobilität sowie Industrie 4.0 und Smart Production. Im Bereich Life Sciences und Bioökonomie verfügen wir über starke Kompetenzen in den Bereichen Biotechnologie und Materialforschung.

Wie hat sich die Nachfrage nach Wirtschaftsförderung und Innovationsprogrammen in den letzten Jahren verändert?

Die Nachfrage nach Förderungen ist in den letzten Jahren merklich gestiegen. Unternehmen suchen zunehmend maßgeschneiderte Beratungsangebote und schnellen Zugang zu Fördermitteln, wie sie auch von der HTAI angeboten werden. Die Landespolitik hat darauf mit einem deutlich höheren Budget, neuen Programmen und der Stärkung bestehender Initiativen reagiert.

Gibt es neue Programme oder Initiativen, die die HTAI derzeit plant oder umsetzt?

Die aktuellen Aktivitäten der HTAI zeigen ein klares Bekenntnis zu den Themen Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Internationalisierung. Mithilfe von praxisorientierten Workshops, Infrastrukturförderung, neuen Förderrunden und gezielter Netzwerkarbeit werden hessische Unternehmen dabei unterstützt, zukunftsfähig, digital und global vernetzt zu agieren.

Highlights & Erfolge

Wie wichtig ist Teamwork in der Wirtschaftsförderung, und welche Maßnahmen ergreifen Sie, um Ihr Team bestmöglich zu unterstützen?

Teamwork ist in der Wirtschaftsförderung von entscheidender Bedeutung. Nur durch abgestimmtes Handeln und interdisziplinäre Zusammenarbeit können Erfolge erzielt werden. Für mich sind unterschiedliche Perspektiven und Fachkompetenzen im Team sowie der regelmäßige Austausch miteinander zentrale Elemente.

Ausblick & Zukunft

Wo sehen Sie Hessen als Wirtschaftsstandort in fünf bis zehn Jahren?

In fünf bis zehn Jahren dürfte Hessen seine Rolle als führender Wirtschaftsstandort weiter ausbauen. Hessen profitiert von seinem Mittelstand, innovativen Technologieträgern und internationaler Vernetzung.

Welche Innovationen oder Trends werden Ihrer Meinung nach die Wirtschaft Hessens in den kommenden Jahren prägen?

Zu den wichtigsten Trends gehören selbstverständlich KI und digitale Transformation. Darüber hinaus setzt das Land auf Ressourceneffizienz, Umwelttechnologien und kreislauforientierte Geschäftsmodelle. Die Kreativwirtschaft ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, die von der Metropolregion Frankfurt RheinMain als World Design Capital 2026 profitieren wird.

Gibt es neue Märkte oder Investitionsfelder, die Sie für Hessen als besonders spannend erachten?

Aktuell birgt die Transformations- und Innovationsfinanzierung durch den HessenFonds mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 1 Milliarde Euro für Unternehmen in Hessen riesiges Potenzial. Dazu zählt die Region Rhein Main zu den führenden Standorten für digitale Infrastruktur in Europa. Auch hier sehe ich für IKT-Infrastruktur und Rechenzentren starkes Wachstumspotenzial.

Welche strategischen Maßnahmen planen Sie, um Hessen langfristig als Top-Wirtschaftsstandort zu positionieren?

Wir stärken strategisch weiter die Innovationsförderung und den Technologietransfer, setzen auf Fachkräftesicherung und Qualifizierung und fördern eine nachhaltige Infrastruktur und ein nachhaltiges Flächenmanagement. Zudem rücken wir Hessen als attraktiven Investitionsstandort noch stärker in den internationalen Fokus.

Tipps & Inspiration

Welchen Rat würden Sie jungen Unternehmern oder Startups geben, die in Hessen durchstarten wollen?

Hessen bietet eine Vielzahl von Unterstützungsangeboten: von Gründerzentren über Förderprogramme bis hin zu branchenspezifischen Netzwerken. Zögert nicht, gezielt Beratung in Anspruch zu nehmen. Bei der HTAI ist das StartHub Hessen angesiedelt, die zentrale Anlaufstelle für die hessische Start-up-Community.