Cronnect 03/2025

KROATIENS ENERGIEWENDE: ZWISCHEN BLOCKADEN, CHANCEN UND DER FORDERUNG NACH UNABHÄNGIGKEIT CRONNECT ZWISCHEN DIREKTHEIT UND DIPLOMATIE 2 FJAKA 101 3 SEKTORALE CHANCEN: PHARMA, BAU, IT 5 E I N MA G A Z I N D E R K R O A T I S C H E N W I R T S C H A F T S V E R E I N I G U N G I N D E U T S C H L A N D CRONNECT MAGAZIN / EBENFALLS IN DIESER AUSGABE: BETRIEBSSTÄTTE ODER DIENSTLEISTUNG? STEUERFALLEN FÜR EU-UNTERNEHMEN IN DEUTSCHLAND • A1, MINDESTLOHN, SOKABAU: WAS UNTERNEHMEN BEI DER ENTSENDUNG BEACHTENMÜSSEN • EU-FÖRDERMITTEL 2021–2027: MILLIARDEN FÜR INNOVATIONUND INFRASTRUKTUR • FJAKA 101: WARUMDALMATINISCHE GELASSENHEIT DEINNÄCHSTER LEADERSHIPVORTEIL SEIN KANN • KWVD HAS ACCESS TO LEADERS – ENTSCHEIDER IMGESPRÄCH • JETZT AUSZUBILDENDE FÜR ERASMUS+- PROJEKT CROACTIVE 2.0 NOMINIEREN! 3/2025

INHALT CRONNECT MAGAZIN FJAKA 101: WARUM DALMATINISCHE GELASSENHEIT DEIN NÄCHSTER LEADERSHIPVORTEIL SEIN KANN JETZT AUSZUBILDENDE FÜR ERASMUS+- PROJEKT CROACTIVE 2.0 NOMINIEREN! 36 44 KWVD-PARTNER: SEKTORALE CHANCEN:: PHARMA, BAU, IT EU-FÖRDERMITTEL 2021–2027: MILLIARDEN FÜR INNOVATION UND INFRASTRUKTUR 12 26 24 32 22 8 A1, MINDESTLOHN, SOKABAU: WAS UNTERNEHMEN BEI DER ENTSENDUNG BEACHTEN MÜSSEN EUROPA DISKUTIERT ÜBER DIE GRÜNE ENERGIEZUKUNFT – EINLADUNG ZUM GEO FORUM 2025 IN FRANKFURT ZWISCHEN DIREKTHEIT UND DIPLOMATIE: WIE KULTUR DEN GESCHÄFTSERFOLG BEEINFLUSST BETRIEBSSTÄTTE ODER DIENSTLEISTUNG? STEUERFALLEN FÜR EU-UNTERNEHMEN IN DEUTSCHLAND Wir bedanken uns bei dem „Središnji državni ured za Hrvate izvan Republike Hrvatske“ für die finanzielle Unterstützung des CRONNECTMagazin!

CRONNECT MAGAZ IN · 3/2025 3 IMPRESSUM Europa befindet sich in einer Phase tiefgreifender Umbrüche – wirtschaftlich, technologisch und gesellschaftlich. Themen wie Energieunabhängigkeit, Digitalisierung, Fachkräftesicherung und interkulturelle Zusammenarbeit prägen die europäische Agenda stärker denn je. Zwischen Direktheit und Diplomatie, zwischen Innovation und Regulierung, zwischen Tradition und Transformation entstehen neue Chancen und ebenso neue Herausforderungen. Am 28. Oktober greift das GEO Forum 2025 greift genau diese Dynamik. Unter dem Leitthema „Green Energy Opportunities – Investing in Resilient, Smart and Net-Zero Systems“ bringt es Menschen zusammen, die Europa gestalten wollen: Unternehmerinnen und Unternehmer, Wissenschaftler, Politiker und Vordenker aus Deutschland, Kroatien und der gesamten Region. Doch das Forum geht über Energiefragen hinaus, es ist ein Ort, an dem sich wirtschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Themen zu einem Gesamtbild verbinden. In dieser Ausgabe widmen wir uns daher den zentralen Triebkräften des Wandels. Wir beleuchten, wie kulturelle Unterschiede den Geschäftserfolg prägen, wo Kroatien seine größten Wachstumschancen in den Sektoren Pharma, Bau und IT hat und welche rechtlichen Herausforderungen bei der Entsendung von Arbeitskräften zu beachten sind. Wir diskutieren die Blockaden und Potenziale der kroatischen Energiewende, zeigen neue Wege zur Nutzung von EU-Fördermitteln und werfen mit einem Augenzwinkern einen Blick auf Fjaka, die dalmatinische Kunst des bewussten Nicht-Handelns, die vielleicht der unterschätzteste Leadership-Faktor unserer Zeit ist. Gemeinsam zeichnen diese Beiträge ein Bild von einem Europa im Aufbruch, pragmatisch, mutig und vernetzt. Das GEO Forum versteht sich als Brücke zwischen Ideen und Umsetzung, zwischen Ländern und Kulturen, zwischen Energie und Wirtschaft. Frankfurt wird am 28. Oktober 2025 wieder zum Treffpunkt all jener, die nicht nur über Zukunft sprechen, sondern sie aktiv gestalten wollen. Proaktive Grüße Mario Šušak EDITORIAL MARIO ŠUŠAK Vorstandsvorsitzender Das Team der Kroatischen Wirtschaftsvereinigung in Deutschland steht Ihnen als Partner im deutsch-kroatischen Wirtschaftsraum zur Verfügung! HERAUSGEBER: KroatischeWirtschaftsvereinigung e.V., Brönnerstr. 17, 60313 Frankfurt, Tel. +49 69 36 70 79 40, Fax: +49 69 36 70 79 39, E-Mail: info@kwvd.de, Vertretungsberechtigter Vorstand: Mario Šušak, Franjo Akmadža, Ante Bagarić, Zdravko Bošnjak, Mario Koturić Inhaltlich verantwortlich gemäß § 6 MDStV: Mario Šušak / Vereinsregister Frankfurt am Main, Nr. 13998 / Steuernummer 01422730422 Finanzamt Frankfurt am Main IV / ANZEIGEN: anzeigen@kwvd.de / REDAKTION: Mario Šušak, Mario Koturić, Denis Koloper, Jelena Miličević, Jelena Katavić PRESSE-FOTOS: JK Foto (Josip Krstanovic), Mario Koturić, Shutterstock / ÜBERSETZUNG: Übersetzungsbüro ET CETERA Liebe Mitglieder und Partner der Kroatischen Wirtschaftsvereinigung, liebe Leserinnen und Leser,

4 CRONNECT MAGAZ IN 3/2025 NEWS FOTO Shutterstock TEXT Dr. Alen Saček h KROATIENS ENERGIEWENDE: ZWISCHEN BLOCKADEN, CHANCEN UND DER FORDERUNG NACH UNABHÄNGIGKEIT

CRONNECT MAGAZ IN · 3/2025 5 Beitrag die aktuelle Lage Kroatiens beleuchten: Wo stehen wir heute, welche Projekte stecken fest, welche Chancen bieten sich – und warum Atomkraftwerke keine Lösung für die Zukunft sind. Kroatien hat in den letzten zwei Jahrzehnten beachtliche Fortschritte beim Ausbau erneuerbarer Energien erzielt. Heute sind bereits 1.141 MW Windkraft und rund 1.000 MW Solarkapazitäten am Netz. Vor allem die Photovoltaik hat in jüngster Zeit kräftig zugelegt: Im zweiten Quartal 2024 stieg die Produktion aus Solaranlagen um 71 Prozent, wodurch erneuerbare Energien (Solar, Wind, Biomasse und Biogas) erstmals einen Anteil von 29,7 Prozent an der gesamten verfügbaren Energie erreichten (Quelle: HGK, Position Paper 2024, PDF). Doch trotz dieser positiven Dynamik steckt ein großer Teil des Potenzials fest. Derzeit befinden sich 45 neue Projekte mit einer Gesamtkapazität von 2.468 MW in Vorbereitung. Laut dem Verband der Investoren in erneuerbare Energien (OIEH) könnte das kroatische IIm Vorfeld des Green Energy Opportunities Forum 2025, das am 28. Oktober 2025 im Haus der Wirtschaft in Frankfurt am Main stattfinden wird, befassen wir uns mit den Chancen und Hindernissen der kroatischen Energiewende. Als eine der Mitorganisatorinnen und Konzeptgeberinnen dieses Forums möchte ich in diesem Netz diese Kapazitäten ohne große Zusatzinvestitionen aufnehmen. Lediglich kleinere Herausforderungen bei der Systembalance seien zu erwarten, betont OIEH-Direktor Matić – eine Einschätzung, die der Kroatische Übertragungsnetzbetreiber (HOPS) allerdings nur teilweise teilt (Quelle: Lider Magazin). Die Realität ist jedoch: Investitionen im Wert von rund 2,5 Milliarden Euro liegen auf Eis. Grund ist die Untätigkeit der Kroatischen Energie-Regulierungsagentur (HERA), die seit über zwei Jahren keine verbindliche Anschlussgebühr für neue Projekte festgelegt hat. Ohne diese zentrale Entscheidung können weder technische Studien (EOTRP) abgeschlossen noch verbindliche Netzanschlüsse erteilt werden – ein faktischer Stillstand für hunderte Wind-, Solar- und Geothermieprojekte (Quelle: Energetika-net). Atomkraft als teurer Irrweg Statt entschlossen auf grüne Energie zu setzen, wird in der öffentlichen Debatte zunehmend auch der Bau eines Atomkraftwerks als Lösung o DIE ZUKUNFT LIEGT in erneuerbaren Chancen – nicht in teuren Irrwegen

6 CRONNECT MAGAZ IN 3/2025 Meet in Croatia d.o.o. Rijeznica 88, 10040 Zagreb, Kroatien www.meetincroatia.eu E-Mail: info@meetincroatia.eu HR tel.: +385 (0)99 3534 888 DE tel.: +49 (0)172 8368 777 0 5 25 75 95 100 ins Spiel gebracht. Experten wie Prof. Goran Krajačić von der Universität Zagreb warnen jedoch vor diesem Rückschritt. Kroatien könne schon bald seinen gesamten Strombedarf aus erneuerbaren Energien decken – und sogar Überschüsse exportieren. Mit 5 GW Solar, 4 GW Windkraft sowie zusätzlichen Kapazitäten aus Geothermie und Biomasse wären jährlich bis zu 23 TWh erneuerbarer Strom möglich (Quelle: Krajačić, Fakultät für Maschinenbau und Schiffbau Zagreb; Lider Konferenz „Energetska budućnost Hrvatske“). Atomkraftwerke seien in diesem Szenario nicht nur unnötig, sondern auch ein kostspieliger Irrweg, der wertvolle Ressourcen binden würde. Blockierte Projekte und neue Unsicherheit Die Probleme sind jedoch nicht allein in der Anschlussgebühr begründet. Seit Jahren verzögern sich auch Ausschreibungen für Energetische Genehmigungen auf staatlichem Land. Zahlreiche Genehmigungen laufen aus, bevor Projekte umgesetzt werden können. Hinzu kommt, dass sich mit jedem neuen Wirtschaftsminister die gesetzlichen Rahmenbedingungen ändern. Eine weitere Reform des Energierechts steht bevor – angeblich, um „Ordnung“ zu schaffen, tatsächlich aber mit dem Risiko, die Entwicklung erneut zu bremsen (Quelle: Lider Media, „Opet sve ispočetka – nova pravila za obnovljive izvore“). Die Folge: Investoren sind mit einem Flickenteppich aus Verzögerungen, widersprüchlichen Vorgaben und ablaufenden Fristen konfrontiert. Manche Projekte drohen ihre Rechtsgrundlage zu verlieren, bevor sie überhaupt in die Bauphase kommen. Die Kroatische Wirtschaftskammer (HGK) macht zunehmend Druck auf Politik und Verwaltung und spiegelt damit unmittelbar die Probleme und das Leid der Unternehmer wider, deren Projekte in der Bürokratie steckenbleiben. In ihren regelmäßigen Positionspapieren fordert sie eine Digitalisierung der Verfahren, eine Beschleunigung der Genehmigungsprozesse sowie ein stärkeres Vertrauen in die heimio BÜROKRATISCHE HÜRDEN, wechselnde Regeln und blockierte Genehmigungen bremsen Milliardeninvestitionen und gefährden den Ausbau der Energiewende

CRONNECT MAGAZ IN · 3/2025 7 o KLARE REGELN UND SCHNELLERE VERFAHREN sind entscheidend, damit Kroatien seine ErneuerbarenZiele bis 2030 erreicht M.F. Certus d.o.o. Brace Domany 4, 10000 Zagreb, Kroatien E-Mail: certus@certus.hr Tel.: +385 (1) 3032 100 schen Potenziale (Quelle: HGK, Position Paper 2024). HGK bietet sich dabei als Scharnier zwischen Markt und Regulatorik: Sie vermittelt zw. Investoren, Fachwelt und Verwaltung und verweist auf die Dringlichkeit klarer Rahmenbedingungen. Besonders im Hinblick auf den revidierten Nationalen Energie- und Klimaplan (NECP), der einen Anteil erneuerbarer Energien von 42,5 Prozent bis 2030 vorsieht, unterstreicht die HGK, dass dieses Ziel nur durch konsequente regulatorische Entschlackung erreichbar ist. Schlussfolgerung: Regulatoren müssen aufwachen Kroatien steht heute an einem Scheideweg: Das Land verfügt über ausreichend erneuerbare Potenziale, um seine Energieunabhängigkeit zu sichern, vergleichsweise niedrige Energiekosten zu realisieren und den Staatshaushalt durch den Abbau von Energiesubventionen zu entlasten. Doch solange die Kroatische Energie-Regulierungsagentur (HERA), der Kroatische Übertragungsnetzbetreiber (HOPS) und das Wirtschaftsministerium zentrale Entscheidungen verschleppen und das Energierecht ständig neu aufgerollt wird, bleiben diese Chancen ungenutzt. Die Forderung ist klar: HERA, HOPS und das Wirtschaftsministerium müssen handeln, die rechtlichen Blockaden auflösen und stabile Rahmenbedingungen schaffen. Nur dann kann Kroatien seine komparativen Vorteile nutzen, ein wettbewerbsfähiger Energieproduzent werden und gleichzeitig die Abhängigkeit von teuren Importen und überholten Konzepten wie der Atomkraft hinter sich lassen. Ein Forum für diese dringend notwendige Diskussion bietet das Green Energy Opportunities Forum 2025, das am 28. Oktober 2025 im Haus der Wirtschaft in Frankfurt am Main stattfindet. Unter der Leitung des Kroatischen Wirtschaftsvereinigung in Deutschland (KWVD) wird dort über Projekte wie den Zero Emission Corridor diskutiert. Unternehmen, Investoren und Politik haben hier die Gelegenheit, konkrete Strategien für die grüne Transformation zu entwickeln und die Weichen für eine nachhaltige und unabhängige Energiezukunft Kroatiens zu stellen. o

8 CRONNECT MAGAZ IN 3/2025 NEWS EUROPA DISKUTIERT ÜBER DIE GRÜNE ENERGIEZUKUNFT – EINLADUNG ZUM GEO FORUM 2025 IN FRANKFURT

CRONNECT MAGAZ IN · 3/2025 9 FOTO KWVD, Shutterstock TEXT Mario Šušak, KWVD h Die Kroatische Wirtschaftsvereinigung in Deutschland (KWVD) lädt zur Teilnahme am GEO Forum 2025 ein, das am 28. Oktober in Frankfurt am Main stattfinden wird. Die internationale Konferenz steht unter dem Motto „Green Energy Opportunities – Investing in Resilient, Smart and Net-Zero Systems“ und bringt führende Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft aus Deutschland, Kroatien, Slowenien und weiteren europäischen Ländern zusammen. Im Mittelpunkt des Forums steht die Vorstellung des Projekts Zero Emission Corridor (ZEC) – ein grenzüberschreitendes Infrastrukturvorhaben, das den Übergang zu emissionsfreien Energiesystemen in Europa beschleunigen soll. Ziel ist es, eine durchgängige Transport- und Energieachse zu schaffen, die von der Adria bis zur Nordsee reicht und auf erneuerbare Energien, Wasserstofftechnologie und intelligente Netze setzt. Der ZEC soll nicht nur die Dekarbonisierung des Verkehrssektors vorantreiben, sondern auch regionale Innovationscluster stärken und Investitionen in nachhaltige Infrastruktur mo-

10 CRONNECT MAGAZ IN 3/2025 bilisieren. Pilotprojekte wie die geplante Energieautarkie der kroatischen Stadt Novalja bis 2030 zeigen, wie konkrete Umsetzung aussehen kann. Das GEO Forum bietet ein vielseitiges Programm mit hochkarätig besetzten Diskussionsformaten. Im ersten Round Table mit dem Titel „Vision 2050 – Die nachhaltige und digitale Zukunft gestalten“ diskutieren Expertinnen und Experten wie Prof. Dr. Peter Birkner (House of Energy), Dr. Thomas Neuenhahn (Siemens Energy), Prof. Dr. Birgit Scheppat (Hochschule RheinMain), Prof. Dr. Christian Haas (CoDiVe), Marius Schäfer (Verband der hessischen Unternehmensverbände), Uroš Salobir (ELES) und weitere Gäste über resiliente Energiesysteme, technologische Innovationen und die Rolle regionaler Zusammenarbeit. In einer moderierten Gesprächsrunde zum Zero Emission Corridor werden die nächsten Schritte zur Projektentwicklung vorgestellt. Simon Ferjuc (Tetida Power to X) und Matjaž Logar (Pelagus d.o.o.) erläutern, wie aus einer Vision ein bankfähiges Infrastrukturprojekt entstehen kann und welche Partner bereits ihre Bereitschaft zur Mitwirkung signalisiert haben. Ein weiterer Round Table widmet sich der Frage „Technologien, die funktionieren – und wie man sie skalieren kann“. Hier präsentieren Unternehmen wie DOK-ING Energo, Končar, ECCOS, Energyminer und STOFF2 konkrete Lösungen für die Produktion, Speicherung und das Management grüner Energie. Die Diskussion zeigt, wie lokale und regionale Akteure zur schnellen Umsetzung beitragen können. Im abschließenden Panel zur Finanzierung von Innovationen diskutieren Vertreter von DZ BANK, Crédit Agricole, dem hessischen Wirtschaftsministerium und dem kroatischen Ministerium für regionale Entwicklung über die Rolle von EU-Fonds, Banken und privatem Kapital bei der Realisierung nachhaltiger Projekte. Besonders hervorgehoben wird die Möglichkeit, über Programme wie den Green Deal oder die Connecting Europe Facility substanzielle Mittel zu mobilisieren. Das GEO Forum 2025 versteht sich als Impulsgeber für die europäische Energiewende und als Plattform für konkrete Kooperationen zwischen öffentlichen Institutionen, Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Die KWVD lädt alle Interessierten herzlich ein, sich aktiv zu beteiligen, Ideen einzubringen und gemeinsam an der Gestaltung einer emissionsfreien, digitalen und resilienten Zukunft Europas mitzuwirken. Durchdas Programmführt Robin Weninger (GILT). Weitere Informationen zum Programm, zur Anmeldung und zu den Partnern des Forums finden Sie unter www. kwvd.de/geo-forum. o o GEO FORUM 2025 AM 28. OKTOBER IN FRANKFURT: Internationale Konferenz zu grünen Investitionen und dem Zero Emission Corridor als europäischem Zukunftsprojekt

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12 CRONNECT MAGAZ IN 3/2025 NEWS FOTO Shutterstock TEXT Jelena Miličević, KWVD 4 ZWISCHEN DIREKTHEIT UND DIPLOMATIE: WIE KULTUR DEN GESCHÄFTSERFOLG BEEINFLUSST

CRONNECT MAGAZ IN · 3/2025 13 Sachorientierung und einer hohen Wertschätzung für Effizienz. Aussagen sind in der Regel klar, präzise und zielgerichtet. Kritik wird offen geäußert, Feedback ist oft nüchtern und auf den Punkt gebracht. In Kroatien hingegen spielt der zwischenmenschliche Kontext eine größere Rolle. Kommunikation ist häufig indirekter, diplomatischer und stärker auf Beziehungspflege ausgerichtet. Ein „Ja“ kann je nach Tonfall und Situation auch ein In einer zunehmend globalisierten Wirtschaftswelt ist interkulturelle Kompetenz längst kein „Nice-to-have“ mehr, sondern ein entscheidender Erfolgsfaktor – insbesondere in bilateralen Geschäftsbeziehungen wie zwischen Deutschland und Kroatien. Was auf den ersten Blick wie eine europäische Selbstverständlichkeit erscheint, offenbart bei genauerem Hinsehen tiefgreifende kulturelle Unterschiede, die Kommunikation, Entscheidungsprozesse und Erwartungshaltungen maßgeblich beeinflussen. Wer diese Unterschiede versteht und gezielt adressiert, kann nicht nur Missverständnisse vermeiden, sondern auch nachhaltige Partnerschaften aufbauen und wirtschaftliche Potenziale voll ausschöpfen. Kommunikation: Zwischen Klartext und Kontext Die deutsche Geschäftskultur ist geprägt von Direktheit,

14 CRONNECT MAGAZ IN 3/2025 n „Vielleicht“ bedeuten – oder ein höfliches „Nein“. Ein Beispiel aus dem Vertrieb illustriert dies deutlich: Während ein deutscher Vertriebsleiter bei einem Pitch direkt auf Preis, Lieferzeit und Vertragsbedingungen zu sprechen kommt, wird sein kroatischer Gesprächspartner möglicherweise zunächst auf persönliche Themen eingehen, um Vertrauen aufzubauen. Wer hier zu schnell zur Sache kommt, riskiert, als unhöflich oder gar arrogant wahrgenommen zu werden. Umgekehrt kann ein deutscher Partner die kroatische Zurückhaltung als mangelndes Interesse oder Entscheidungsunfreude missverstehen. Entscheidungsprozesse: Konsens vs. Hierarchie Auch in der Art, wie Entscheidungen getroffen werden, zeigen sich kulturelle Unterschiede. In Deutschland sind Entscheidungsprozesse oft strukturiert, dokumentiert und durch klare Verantwortlichkeiten geprägt. Es wird Wert auf Konsens gelegt, wobei alle relevanten Stakeholder einbezogen werden. In Kroatien hingegen sind Entscheidungswege häufig informeller und stärker hierarchisch geprägt. Persönliche Beziehungen und das Vertrauen in die Führungskraft spielen eine zentrale Rolle. Im Projektmanagement kann dies zu Spannungen führen: Ein deutsches Team erwartet möglicherweise regelmäßige Status-Updates, transparente Entscheidungsgrundlagen und eine klare Aufgabenverteilung. Ein kroatisches Teamhingegen könnte Entscheidungen eher „top-down“ treffen und weniger Wert auf formalisierte Prozesse legen. Wer hier nicht sensibel agiert, läuft Gefahr, als kontrollierend oder misstrauisch wahrgenommen zu werden – oder umgekehrt als unorganisiert und unprofessionell. DAS VERSTÄNDNIS DER KULTURELLEN UNTERSCHIEDE ist entscheidend für eine erfolgreiche Zusammenarbeit Trockenbau Pavic GmbH Mainzer Landstr. 351-353 60326 Frankfurt am Main Telefon: 069/37302772 Telefax: 069/37302773 Mobitel: 0178/5218762 e-mail: marko.pavic@gmx.de Tr o c k e n b a u PAVIC

CRONNECT MAGAZ IN · 3/2025 15 Erwartungshaltungen in HR: Loyalität, Initiative und Feedbackkultur Im Bereich Human Resources zeigen sich kulturelle Unterschiede besonders deutlich in der Mitarbeiterführung und -entwicklung. Deutsche Unternehmen setzen häufig auf Eigenverantwortung, flache Hierarchien und eine offene Feedbackkultur. Kroatische Mitarbeitende hingegen erwarten oft eine stärkere Führung, klare Anweisungen und ein hohes Maß an persönlicher Anerkennung. Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber ist hoch, wird jedoch auch mit einer gewissen Fürsorgepflicht verbunden. Ein Beispiel: Während ein deutscher Vorgesetzter davon ausgeht, dass Mitarbeitende proaktiv Verbesserungsvorschläge einbringen, könnte ein kroatischer Mitarbeiter dies als unangemessen empfinden – insbesondere, wenn die Hierarchie stark ausgeprägt ist. Ebenso kann ein direktes Feedbackgespräch, wie es in Deutschland üblich ist, in Kroatien als zu konfrontativ oder gar verletzend wahrgenommen werden. Interkulturelle Trainings: Mehr als nur Höflichkeitsregeln Um diesen Herausforderungen zu begegnen, sind interkulturelle Trainings ein wirkungsvolles Instrument. Sie sollten jedoch über reine Benimmregeln hinausgehen. Erfolgreiche Programme vermitteln nicht nur Wissen über kulturelle Unterschiede, sondern fördern auch Selbstreflexion, Empathie und die Fähigkeit, sich flexibel auf unterschiedliche Kommunikationsstile einzustellen. Besonders wirksam sind praxisnahe Formate, die mit Rollenspielen, Fallstudien und realen Geschäftsszenarien arbeiten. Führungskräfte profitieren zudem von Coachings, die individuelle Kommunikationsstrategien entwickeln und konkrete HandlungsempfehINTERKULTURELLE TRAININGS fördern Verständnis und erfolgreiche Zusammenarbeit l BAS Aufzugsservice GmbH Herstellung, Verkauf, Beratung, Planung, Wartung Tel.06104/4082850 Fax.06104/4082852 BAS Aufzugsservice GmbH Borsigstr 6b, 63150 Heusenstamm BAS Aufzugsservice GmbH

16 CRONNECT MAGAZ IN 3/2025 lungen geben – etwa, wie man in einem deutsch-kroatischen Team eine gemeinsame Feedbackkultur etabliert oder wie man in Verhandlungen kulturelle Codes erkennt und nutzt. Soft Skills als Schlüsselkompetenz Neben Fachwissen und Sprachkenntnissen sind es vor allem Soft Skills, die den Unterschied machen: interkulturelle Sensibilität, aktives Zuhören, Geduld und die Fähigkeit, Ambiguität auszuhalten. Wer in der Lage ist, kulturelle Unterschiede nicht als Hindernis, sondern als Bereicherung zu sehen, schafft die Grundlage für nachn SOFT SKILLS ALS SCHLÜSSEL ZUM ERFOLG: Interkulturelle Sensibilität und Kommunikation sind entscheidend, um in deutsch-kroatischen Teams Synergien zu schaffen und Wettbewerbsvorteile zu nutzen haltigen Geschäftserfolg. Ein deutscher Projektleiter, der lernt, zwischen den Zeilen zu lesen, oder eine kroatische Führungskraft, die sich auf die deutsche Direktheit einstellt, kann Brücken bauen, wo andere Mauern sehen. In einer Welt, in der wirtschaftlicher Erfolg zunehmend von der Fähigkeit abhängt, kulturelle Vielfalt zu navigieren, wird interkulturelle Kompetenz zur strategischen Ressource. Fazit Zwischen Direktheit und Diplomatie liegt ein weites Feld kultureller Nuancen, das im deutsch-kroatischen Geschäftsumfeld oft unterschätzt wird. Wer diese Unterschiede erkennt, respektiert und aktiv gestaltet, kann nicht nur Konflikte vermeiden, sondern auch Synergien heben, die weit über das Offensichtliche hinausgehen. Interkulturelle Kompetenz ist kein Luxus – sie ist ein Wettbewerbsvorteil. o Radnik Tel: +385 (0)48 279 300 E-mail: radnik@radnik.hr www.radnik.s2is.hr

CRONNECT MAGAZ IN · 3/2025 17 Treuhand auf höchstem Niveau - wir begleiten Sie kompetent und professionell in allen Stufen im Treuhandservice. Als Treuhänder Ihres Vertrauens unterstützen wir Sie in allen Belangen, wodurch Sie Zeit und Energie sparen. Wir freuen uns gemeinsam über Ihren Erfolg. Dank unseren individuellen Lösungen und unserem Expertenwissen treiben wir Ihren Unternehmenserfolg massgeblich voran. Wir erstellt ein auf Ihre Bedürfnisse zugeschnittenes Dienstleistungspaket. Sie entscheiden, welche Aufgaben Sie selbst ausführen wollen und wann Sie das Wissen und die Unterstützung unserer Fachleute in Anspruch nehmen möchten. Einfach ausgedrückt: Sie konzentrieren sich auf Ihre geschäftlichen Ziele, wir kümmern uns um den Rest. t iveau - wir be- t t profe sionell i dservice. Wir wollen Unternehmen dabei helfen, profitabel und nachhaltig zu arbeiten und zu wachsen - Begleitung mit Kompetenz und Erfahrung. Als Unternehmer ist Weitblick heutzutage wichtiger denn je – scheint die Uhr doch immer schneller zu ticken. Markt und Wettbewerb, Digitalisierung und Technologietrends sind dabei nur ein paar Themen, die jedes Unternehmen heutzutage zwangsläufig im Blick haben und halten muss, um zukünftig zu bestehen. Und weil das mit einem Augenpaar kaum möglich ist, helfen wir Ihnen dabei. In unserer Erstanalyse finden wir mit Ihnen gemeinsam heraus, welche Themen Sie priorisieren sollten und haben in unserem großen Beraternetzwerk den richtigen Ansprechpartner dazu – auch für Ihre Fragen. Pragmatische Lösungen der Unternehmensbeteiligung und ganzheitliche Management-Beratung durch langjährige Führungserfahrung garantieren den Erfolg für unsere Kunden. Sie als Firmeninhaber suchen finanzstarke Partner? Sie sind Kapitalgeber und suchen ein lukratives Investment? Wir sind Ihre Ansprechpartner, um eine Unternehmensbeteiligung zu planen und für beide Seiten erfolgreich zu implementieren. Unsere Plattform und unser breites Netzwerk bieten ein großes Portfolio potenziell passender Unternehmen. Gern stehen Ihnen unsere erfahrenen Spezialisten bei der Suche kompetent zur Seite. Lassen Sie uns einfach wissen, in welcher Branche und unter welchen Voraussetzungen Ihre Kapitalbeteiligung erfolgen soll! mail@quotashare.eu QUOTA SHARE

18 CRONNECT MAGAZ IN 3/2025 SEKTORALE CHANCEN: PHARMA, BAU, IT FOTO Shutterstock TEXT Mario Šušak, KWVD x NEWS Die kroatische W i r t s c h a f t steht im Jahr 2025 auf einem soliden Fundament. Neben dem Tourismus, der weiterhin eine tragende Rolle spielt, gewinnen zunehmend andere Sektoren an Bedeutung. Besonders hervorzuheben sind die Pharmaindustrie, die Bauwirtschaft und der IT-Sektor. Diese drei Branchen zeigen nicht nur überdurchschnittliche Wachstumsraten, sondern bieten auch konkrete Anknüpfungspunkte für deutsche Unternehmen, Investoren und Dienstleister. Die strukturelle

CRONNECT MAGAZ IN · 3/2025 19 KROATIEN WÄCHST als pharmazeutischer Standort mit starken Exporten und neuen Innovationsclustern für deutsche Kooperationen. l Transformation Kroatiens hin zu einer diversifizierten, innovationsgetriebenen Volkswirtschaft wird maßgeblich durch diese Sektoren getragen. Die Pharmaindustrie in Kroatien hat sich in den letzten Jahren dynamisch entwickelt. Der Export von pharmazeutischen Produkten ist 2024 um mehr als sechzehn Prozent gestiegen. Kroatische Unternehmen wie Pliva, ein Tochterunternehmen von Teva, investieren kontinuierlich in Forschung, Entwicklung und Produktionskapazitäten. Gleichzeitig entstehen neue Cluster rund um Biotechnologie, Medizintechnik und klinische Studien. Die Nähe zu EU-Regul ierungsstandards, gut ausgebildete Fachkräfte und wettbewerbsfähige Produktionskosten machen Kroatien zu einem attraktiven Standort für die pharmazeutische Industrie. Für deutsche Unternehmen ergeben sich daraus vielfältige Kooperationsmöglichkeiten, etwa in der Auftragsfertigung, im Techno-

20 CRONNECT MAGAZ IN 3/2025 4 WIRTSCHAFTSWACHSTUMSSEKTOREN IN KROATIEN KROATIEN WÄCHST 2024 IN PHARMA, BAU UND IT. DIE PHARMAINDUSTRIE PROFITIERT VON EU-STANDARDS UND KOOPERATIONEN, DIE BAUWIRTSCHAFT DURCH EU-PROJEKTE UND URBANEN AUSBAU. DER ITSEKTOR VERZEICHNET INNOVATIVE START-UPS UND FACHKRÄFTE, WÄHREND DER FACHKRÄFTEMANGEL CHANCEN FÜR SPEZIALISIERTE LÖSUNGEN BIETET. Schulung oder digitale Lösungen zur Effizienzsteigerung anbieten. Der IT-Sektor schließlich gilt als einer der vielversprechendsten Zukunftsbereiche der kroatischen Wirtschaft. In Städten wie Zagreb, Osijek und Rijeka haben sich in den letzten Jahren lebendige Start-up-Ökosysteme entwickelt. Unterstützt durch staatliche Förderprogramme, EU-Mittel und internationale Investoren entstehen innovative Lösungen in den Bereichen Softwareentwicklung, künstliche Intelligenz, Fintech und E-Commerce. Kroatische IT-Fachkräfte sind gut logietransfer oder bei der gemeinsamen Entwicklung von Wirkstoffen. Auch regulatorisch ist Kroatien vollständig in das europäische Arzneimittelrecht eingebunden, was die Marktzugänge erleichtert. Die Bauwirtschaft ist ein weiterer Wachstumstreiber. Im Jahr 2024 verzeichnete die Branche ein reales Wachstum von über sechzehn Prozent. Getrieben wird diese Entwicklung durch eine Kombination aus EU-finanzierten Infrastrukturprojekten, privater Bautätigkeit und einem anhaltenden Nachholbedarf im Wohnungsbau. Besonders in den urbanen Zentren wie Zagreb, Split und Rijeka entstehen neue Wohn- und Gewerbeimmobilien, während gleichzeitig der Ausbau von Verkehrswegen, Energieinfrastruktur und öffentlicher Daseinsvorsorge voranschreitet. Deutsche Bauunternehmen, Planungsbüros und Zulieferer können hier sowohl als Generalunternehmer als auch als spezialisierte Partner auftreten. Allerdings ist der Fachkräftemangel in der Branche ein ernstzunehmendes Risiko. Viele Projekte leiden unter Verzögerungen, weil qualifiziertes Personal fehlt. Dies eröffnet wiederum Chancen für Unternehmen, die Personal, LUBO Projekt GmbH Tel: +49 (0) 6187 908526 E-mail: info@luboprojekt.de www.luboprojekt.de

CRONNECT MAGAZ IN · 3/2025 21 GUT AUSGEBILDETE, MEHRSPRACHIGE FACHKRÄFTE UND EU-KONFORME RAHMENBEDINGUNGEN bieten deutschen Mittelständlern Chancen für Nearshoring, Entwicklungsdienstleistungen und Technologiepartnerschaften. l ausgebildet, mehrsprachig und international erfahren. Viele Unternehmen arbeiten bereits erfolgreich im Nearshoring-Modell für Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Für deutsche Mittelständler bietet sich hier die Möglichkeit, Entwicklungsdienstleistungen auszulagern, digitale Produkte gemeinsam zu entwickeln oder sogar Beteiligungen an jungen Technologieunternehmen einzugehen. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind EU-konform, die steuerliche Belastung für IT-Dienstleister ist moderat, und die digitale Infrastruktur ist in den urbanen Regionen gut ausgebaut. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Branchen Pharma, Bau und IT in Kroatien nicht nur überdurchschnittlich wachsen, sondern auch strukturell gut aufgestellt sind. Sie profitieren von EU-Fördermitteln, politischer Unterstützung und einer zunehmenden internationalen Vernetzung. Für deutsche Unternehmen, die nach neuen Märkten, Partnern oder Produktionsstandorten suchen, bieten sich hier konkrete Chancen. Entscheidend ist jedoch, die lokalen Besonderheiten zu verstehen, kulturelle Unterschiede zu respektieren und mit erfahrenen Partnern vor Ort zusammenzuarbeiten. Wer diese Faktoren berücksichtigt, kann nicht nur wirtschaftlich profitieren, sondern auch einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung des deutsch-kroatischen Wirtschaftsraums leisten.o EMERUS d.o.o. Knešpolje bb, 88220 Široki Brijeg, Bosnien und Herzegowina www.emerus.eu E-Mail: info@emerus.eu Tel.: +387 39 701 240

22 CRONNECT MAGAZ IN 3/2025 RECHT & STEUERN FOTO Shutterstock TEXT Mario Šušak, KWVD x BETRIEBSSTÄTTE ODER DIENSTLEISTUNG? STEUERFALLEN FÜR EU-UNTERNEHMEN IN DEUTSCHLAND Ein kroatisches IT-Unternehmen schickt zwei Entwickler für ein halbes Jahr nach Frankfurt, um ein deutsches Kundenprojekt vor Ort umzusetzen. Die beiden arbeiten in einem angemieteten Coworking-Space, nutzen deutsche Infrastruktur, erhalten Anweisungen vom deutschen Projektleiter. Was wie ein klassischer Dienstleistungsauftrag aussieht, kann steuerlich zur Falle werden – denn möglicherweise liegt hier bereits eine Betriebsstätte im Sinne des deutschen Steuerrechts vor.

CRONNECT MAGAZ IN · 3/2025 23 Der schmale Grat zwischen Dienstleistung und Betriebsstätte Die Abgrenzung zwischen einer bloßen Dienstleistung und einer steuerlich relevanten Betriebsstätte ist in der Praxis oft schwierig. Nach § 12 der Abgabenordnung (AO) ist eine Betriebsstätte jede feste Geschäftseinrichtung, durch die die Tätigkeit eines Unternehmens ganz oder teilweise ausgeübt wird. Dazu zählen Büros, Werkstätten, Baustellen – aber auch temporäre Projektbüros oder regelmäßig genutzte Arbeitsplätze. Das Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zwischen Deutschland und Kroatien orientiert sich am OECD-Musterabkommen und ergänzt die nationale Definition. Es legt fest, dass insbesondere Bau- oder Montageprojekte, die länger als zwölf Monate dauern, automatisch als Betriebsstätte gelten. Doch auch kürzere Einsätze können steuerliche Konsequenzen haben, wenn eine gewisse organisatorische Selbstständigkeit und Dauerhaftigkeit gegeben ist. Fallbeispiel 1: Bauunternehmen aus Split Ein kroatisches Bauunternehmen erhält einen Auftrag für die Sanierung eines Bürogebäudes in Stuttgart. Die Arbeiten dauern acht Monate. Vor Ort wird ein Containerbüro eingerichtet, kroatische Mitarbeiter sind durchgehend anwesend. Obwohl die ZwölfMonats-Grenze des DBA nicht überschritten wird, erkennt das Finanzamt eine Betriebsstätte an – wegen der physischen Präsenz, der organisatorischen Struktur und der Dauerhaftigkeit. Folge: Das Unternehmen muss sich in Deutschland steuerlich registrieren, Lohnsteuer abführen und Gewerbesteuer zahlen.

24 CRONNECT MAGAZ IN 3/2025 Umsatzsteuer: Reverse-Charge oder Registrierungspflicht? Grundsätzlich gilt bei grenzüberschreitenden Dienstleistungen innerhalb der EU das ReverseCharge-Verfahren: Der Leistungsempfänger schuldet die Umsatzsteuer. Doch sobald eine Betriebsstätte in Deutschland vorliegt, ändert sich das Bild. Dann muss das ausländische Unternehmen sich umsatzsteuerlich registrieren, Rechnungen mit deutscher Umsatzsteuer ausstellen und regelmäßig Voranmeldungen abgeben. Fallbeispiel 2: Beratungsfirma aus Zagreb Ein kroatisches Beratungsunternehmen betreut über mehrere Monate hinweg einen deutschen Kunden vor Ort. Die Berater nutzen ein dauerhaft gemietetes Büro in Köln. Obwohl es sich um eine klassische Dienstleistung handelt, wird das Büro als Betriebsstätte gewertet. Die Folge: Umsatzsteuerliche Registrierungspflicht in Deutschland, inklusive aller damit verbundenen Pflichten. Lohnsteuer: Entsendung mit Tücken Wird Personal nach Deutschland entsandt, stellt sich die Frage nach der Lohnsteuerpflicht. Grundsätzlich gilt: Wenn der kroatische Arbeitgeber keine Betriebsstätte in Deutschland unterhält und der Aufenthalt des Mitarbeiters 183 Tage im Jahr nicht überschreitet, bleibt die Lohnsteuerpflicht in Kroatien. Doch sobald eine Betriebsstätte vorliegt oder der Mitarbeiter faktisch in Deutschland geführt wird, greift die deutsche Lohnsteuerpflicht. Fallbeispiel 3: IT-Spezialisten auf Zeit Zwei kroatische Entwickler arbeiten sechs Monate in einem deutschen Unternehmen, werden aber weiterhin von ihrem kroatischen Arbeitgeber bezahlt. Da sie in einem deutschen Projektteam integriert sind und ihre Tätigkeit dauerhaft vor Ort ausüben, sieht das + IN GRENZÜBERSCHREITENDEN PROJEKTEN kann schon eine längere Präsenz oder organisatorische Struktur steuerliche Konsequenzen nach sich ziehen KBB Kardum II Maksimirsko naselje 4, 10000 Zagreb Tel: +385(0) 1 234 8715

CRONNECT MAGAZ IN · 3/2025 25 Finanzamt eine faktische Eingliederung – und fordert Lohnsteuer vom kroatischen Unternehmen. Gewerbesteuer: Die oft übersehene Belastung Die Gewerbesteuer ist eine deutsche Besonderheit, die viele ausländische Unternehmen unterschätzen. Sie fällt nur an, wenn eine Betriebsstätte in Deutschland vorliegt – dann aber mit voller Wucht. Die Hebesätze variieren je nach Gemeinde, liegen aber oft bei 400 Prozent und mehr. Anders als bei der Körperschaftsteuer gibt es keine Anrechnung im Heimatstaat. Fallbeispiel 4: Logistikdienstleister mit Lager in Bayern Ein kroatischer Logistikdienstleister betreibt ein Lager in der Nähe von Passau, um deutsche Kunden schneller beliefern zu können. Obwohl keine formale Niederlassung besteht, wird das Lager als Betriebsstätte gewertet. Die Folge: Gewerbesteuerpflicht in Deutschland – zusätzlich zur Besteuerung in Kroatien. Checkliste für Steuerberater Für Steuerberater, die Mandanten mit grenzüberschreitender Tätigkeit betreuen, empfiehlt sich eine strukturierte Prüfung: „ “ Grenzüberschreitende Tätigkeiten erfordern sorgfältige steuerliche Prüfung, um Risiken wie Lohn- und Gewerbesteuerpflicht zu vermeiden. HIDROTEH D.O.O. Ul. Matije Gupca 42b, 35 000 Slavonski Brod, Kroatien www.hidroteh.com E-Mail: info@hidroteh.com • Tätigkeitsdauer und -ort: Wie lange und wo wird gearbeitet? Gibt es feste Einrichtungen? • Vertragliche Gestaltung: Wer ist Auftraggeber? Wer trägt das wirtschaftliche Risiko? • Personalstruktur: Werden Mitarbeiter entsandt? Wer führt sie fachlich? • Umsatzsteuerliche Prüfung: Liegt eine Betriebsstätte vor? Ist eine Registrierung erforderlich? • Lohnsteuerliche Risiken: Wer zahlt das Gehalt? Wo wird gearbeitet? Wie lange? • Gewerbesteuerliche Prüfung: Gibt es eine feste Einrichtung mit wirtschaftlicher Tätigkeit? Fazit: Frühzeitig prüfen, Risiken vermeiden Die steuerlichen Risiken bei grenzüberschreitender Tätigkeit sind erheblich – und oft nicht auf den ersten Blick erkennbar. Gerade im Verhältnis zwischen Deutschland und Kroatien, wo EU-Recht und wirtschaftliche Nähe eine gewisse Sicherheit suggerieren, ist die genaue Prüfung entscheidend. Unternehmen sollten frühzeitig steuerliche Beratung einholen, ihre Verträge und Strukturen prüfen lassen und sich nicht auf pauschale Annahmen verlassen. Denn zwischen Dienstleistung und Betriebsstätte liegt oft nur ein schmaler Grat – mit potenziell teuren Konsequenzen. o

26 CRONNECT MAGAZ IN 3/2025 A1, MINDESTLOHN, SOKABAU: WAS UNTERNEHMEN BEI DER ENTSENDUNG BEACHTENMÜSSEN RECHT UND STEUERN

CRONNECT MAGAZ IN · 3/2025 27 FOTO Shutterstock TEXT Text: Mario Šušak, KWVD x Die Entsendung von Arbeitnehmern aus Kroatien nach Deutschland ist für viele Unternehmen ein attraktives Modell: Projekte können flexibel umgesetzt, Fachkräfte gezielt eingesetzt und internationale Kundenbeziehungen gestärkt werden. Doch die rechtlichen Anforderungen sind hoch – und wer sie unterschätzt, riskiert empfindliche Sanktionen. Von der A1-Bescheinigung über das Arbeitnehmerentsendegesetz bis hin zur SOKA-Bau reichen die Pflichten, die Unternehmen kennen und einhalten müssen. A1-Bescheinigung: Der erste Schritt zur Legalität Die A1-Bescheinigung ist der zentrale Nachweis, dass ein entsandter Arbeitnehmer weiterhin dem Sozialversicherungssystem seines Heimatlandes unterliegt. Sie ist verpflichtend für jede grenzüberschreitende Tätigkeit innerhalb der EU – unabhängig von der Dauer oder Branche. Seit 2025 erfolgt die Beantragung ausschließlich elektronisch über das neue Datensatzverfahren für Grenzgänger. Ein kroatischer Elektriker, der für zwei Wochen auf einer Baustelle in München arbeitet, benötigt ebenso eine A1-Bescheinigung wie ein IT-Berater, der für drei Monate ein deutsches Softwareprojekt begleitet. Ohne diesen Nachweis drohen Bußgelder, der Ausschluss von Baustellen oder sogar strafrechtliche Konsequenzen. Die Kontrolle erfolgt in Deutschland durch Zoll und Rentenversicherung – und sie ist in den letzten Jahren deutlich verschärft worden. Arbeitnehmerentsendegesetz: Mindeststandards sind Pflicht Neben der sozialversicherungsrechtlichen Absicherung müssen entsandte Arbeitnehmer auch arbeitsrechtlich geschützt werden. Das deutsche Arbeitnehmerentsendegesetz (AEntG) verpflichtet ausländische Arbeitgeber, ihren Mitarbeitern während der Tätigkeit in Deutschland bestimmte Mindeststandards zu gewähren. Dazu zählen insbesondere: • der gesetzliche Mindestlohn (aktuell 12,41 Euro pro Stunde, Stand Juli 2025), • tarifliche Branchenmindestlöhne, etwa im Baugewerbe oder in der Pflege, • Arbeitszeitregelungen und Ruhezeiten, • Urlaubsansprüche und Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. Ein kroatisches Reinigungsunternehmen, das Personal für ein Hotel in Berlin stellt, muss also nicht nur den deutschen Mindestlohn zahlen, sondern auch die deutschen Arbeitszeitgesetze einhalten. Verstöße werden vom Zoll geahndet – mit Bußgeldern bis zu 500.000 Euro. SOKA-Bau: Pflichtbeiträge für ausländische Bauunternehmen Besonders komplex ist die Lage im Baugewerbe. Wer als ausländisches Unternehmen Bauleistungen in Deutschland erbringt, unterliegt der AITAC Schiffbau GmbH Dechant-Wallenhorst Strasse 2, 26 871 Papenburg www.schiffbau.aitac.nl E-Mail: abota@aitac.nl

28 CRONNECT MAGAZ IN 3/2025 RAPIDUS MONT d.o.o. Niederlassung Deutschland Weberstrasse 60 60318 Frankfurt am Main Tel.: +49 (0)69 976 989 44 info@rapidus-mont.com WIR SUCHEN MITARBEITER - AUFZUGSMONTEUERE DIE ENTSENDUNG VON ARBEITNEHMERN aus Kroatien nach Deutschland erfordert strikte Einhaltung gesetzlicher Vorschriften + Beitragspflicht zur SOKA-Bau – der Sozialkasse der Bauwirtschaft. Diese Pflicht gilt unabhängig davon, ob das Unternehmen in Kroatien bereits vergleichbare Beiträge zahlt. Die SOKA-Bau erhebt Beiträge zur Finanzierung von Urlaubsansprüchen, Ausbildungsförderung und Zusatzversorgung. Für kroatische Unternehmen bedeutet das: Sie müssen ihre Mitarbeiter bei der SOKA-Bau anmelden, monatlich Beiträge abführen und sich an das deutsche Urlaubsverfahren halten. Eine Befreiung ist nur möglich, wenn ein gleichwertiges System im Heimatland nachgewiesen wird – was in der Praxis selten gelingt. Fallbeispiel 1: Bauunternehmen aus Rijeka Ein kroatisches Bauunternehmen erhält einen Auftrag für die Sanierung eines Wohnblocks in Leipzig. Die Arbeiten dauern vier Monate, das Team besteht aus acht kroatischen Facharbeitern. Das Unternehmen beantragt A1-Bescheinigungen, zahlt den deutschen Mindestlohn – übersieht jedoch die Pflicht zur Anmeldung bei der SOKA-Bau. Nach einer Kontrolle durch den Zoll wird ein Beitragsbescheid über mehrere tausend Euro erlassen. Zusätzlich droht ein Bußgeld wegen fehlender Meldung. Fallbeispiel 2: IT-Dienstleister aus Zagreb Ein kroatischer IT-Dienstleister entsendet zwei Entwickler für ein dreimonatiges Projekt nach Frankfurt. Die A1-Bescheinigungen werden korrekt beantragt, der Mindestlohn wird eingehalten. Doch die Arbeitsverträge enthalten keine Regelung zur Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. Einer der Entwickler erkrankt – und das Unternehmen muss rückwirkend nachzahlen. Die deutsche Krankenkasse meldet den Fall an die Finanzkontrolle Schwarzarbeit.

CRONNECT MAGAZ IN · 3/2025 29 kroatisch Übersetzungsdienstleistung KWVD & Partner Gerne stellen wir Ihnen eine unserer Dienstleistung in Kombination mit unserem Netzwerk vor. Nutzen Sie unsere Erfahrung und unseren hochqualitativen Service sowie unser weltweites Netzwerk aus Fachübersetzern für alle Weltsprachen in sämtliche Übersetzungsformate. Unsere Netzwerkpartner übersetzen aus Bereichen wie Recht, Wirtschaft, Technik, Medizin & Marketing. Wir freuen uns auf Ihre Anfragen auf office@kwvd.de

30 CRONNECT MAGAZ IN 3/2025 Juristische Einordnung: Pflichten und Risiken Aus juristischer Sicht ist die Entsendung ein komplexes Zusammenspiel aus nationalem und europäischem Recht. Die EU-Verordnung 883/2004 regelt die sozialversicherungsrechtliche Zuordnung, das AEntG setzt arbeitsrechtliche + SORGFÄLTIGE PRÜFUNG von A1-Bescheinigung, Mindestlohn und SOKA-Bau ist entscheidend, um rechtliche Risiken zu vermeiden. Mindeststandards, und das SOKA-Bau-Verfahren basiert auf dem Tarifvertragsgesetz. Für Unternehmen bedeutet das: Jeder Entsendevorgang muss individuell geprüft und dokumentiert werden. Besonders kritisch ist die Frage der Scheinselbstständigkeit. Wird ein kroatischer Subunternehmer in die Arbeitsorganisation eines deutschen Auftraggebers eingegliedert, ohne unternehmerisches Risiko zu tragen, kann dies als abhängige Beschäftigung gewertet werden – mit weitreichenden Folgen für Sozialversicherung und Steuer. Fazit: Entsendung ist kein Selbstläufer Die Entsendung von Arbeitnehmern nach Deutschland bietet Chancen – aber auch erhebliche rechtliche Fallstricke. Wer als kroatisches Unternehmen in Deutschland tätig wird, muss sich auf ein komplexes Regelwerk einstellen. Die A1Bescheinigung ist nur der Anfang. Mindestlohn, Arbeitszeit, SOKA-Bau und Dokumentationspflichten sind ebenso relevant. Nur wer diese Anforderungen kennt und umsetzt, kann rechtssicher agieren – und langfristig erfolgreich am deutschen Markt bestehen.o Handlungsempfehlungen für Unternehmen 1. Frühzeitige Planung: Entsendungen sollten mindestens vier Wochen imVoraus vorbereitet werden. 2. A1-Bescheinigung beantragen: Elektronisch über die zuständige kroatische Sozialversicherung. 3. Arbeitsverträge prüfen: Mindestlohn, Arbeitszeit, Urlaub und Entgeltfortzahlung müssen deutschen Standards entsprechen. 4. SOKA-Bau prüfen: Bei Bauleistungen immer klären, ob Beitragspflicht besteht. 5. Dokumentation sicherstellen: Alle Unterlagen (Verträge, A1, Lohnabrechnungen) müssen bei Kontrollen vorgelegt werden können. 6. Rechtsberatung einholen: Bei Unsicherheiten ist eine frühzeitige juristische Prüfung unerlässlich.

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32 CRONNECT MAGAZ IN 3/2025 EU-FÖRDERMITTEL 2021–2027: MILLIARDEN FÜR INNOVATION UND INFRASTRUKTUR NEWS FOTO Shutterstock TEXT Jelena Miličević, KWVD d Kroatien nutzt seine historische Chance – und deutsche Unternehmen können profitieren

CRONNECT MAGAZ IN · 3/2025 33 Kroatien steht in der laufenden EU-Förderperiode 2021 bis 2027 vor einer einmaligen Gelegenheit: Insgesamt kann das Land auf ein Fördervolumen von rund 30 Milliarden Euro zugreifen. Diese Mittel stammen aus verschiedenen Quellen, darunter die Aufbau- und Resilienzfazilität (RRF), der mehrjährige Finanzrahmen der EU, der Europäische Sozialfonds Plus (ESF+), der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), der Kohäsionsfonds sowie ergänzende Programme wie ReactEU und der Just Transition Fund 1. Die kroatische Regierung hat frühzeitig auf diese Mittel reagiert und bereits im Jahr 2021 einen nationalen Aufbau- und Resilienzplan verabschiedet. Dieser Plan bildet die Grundlage für die Auszahlung der RRF-Mittel und definiert sechs strategische Investitionsbereiche. Mehr als die Hälfte der ursprünglich vorgesehenen Mittel aus der RRF – rund 3,4 Milliarden Euro – sind für Maßnahmen im Wirtschaftssektor vorgesehen. Weitere Schwerpunkte liegen in Bildung, Forschung, Arbeitsmarktintegration sowie in der Modernisierung von Verwaltung und Justiz 1. Die Umsetzung erfolgt bislang planmäßig. Kroatien hat die vereinbarten Meilensteine und Reformziele fristgerecht erfüllt und konnte bereits mehrere Tranchen abrufen. Die erste Auszahlung in Höhe von 700 Millionen Euro erfolgte im Sommer 2022. Weitere Mittel fließen sukzessive, abhängig vom Fortschritt der Reformen und Investitionsprojekte. Die Europäische Kommission hat Kroatien für die effiziente Um-

34 CRONNECT MAGAZ IN 3/2025 setzung mehrfach positiv hervorgehoben. Für Unternehmen aus Deutschland ergeben sich daraus erhebliche Chancen. Die EUFördermittel werden in Form von Zuschüssen, Kofinanzierungen und Projektpartnerschaften vergeben. Besonders gefragt sind Kompetenzen in den Bereichen Digitalisierung, Energieeffizienz, nachhaltige Mobilität, Kreislaufwirtschaft, Bildungstechnologie und Infrastrukturentwicklung. Deutsche Unternehmen können sich entweder direkt an Ausschreibungen beteiligen oder als Konsortialpartner mit kroatischen Firmen zusammenarbeiten. Auch Beratungsunternehmen, Planungsbüros und Technologieanbieter sind gefragt, wenn es darum geht, Projekte zu konzipieren, zu beantragen und umzusetzen. Ein zentrales Element der Förderstrategie ist die territoriale Ausgewogenheit. Das integrierte territoriale Programm 2021–2027 zielt darauf ab, strukturschwache Regionen gezielt zu fördern und regionale Disparitäten zu verringern 2. Für Investoren bedeutet das: Auch abseits der Metropolen Zagreb, Split und Rijeka entstehen neue Chancen – etwa in Slawonien, Lika oder auf den Inseln. Die Förderquoten sind dabei attraktiv. In vielen Fällen übernimmt die EU bis zu 85 Prozent der Projektkosten, während der nationale Eigenanteil bei lediglich 15 Prozent liegt. Für Unternehmen, die in Produktionsstätten, Logistikzentren oder Forschungsinfrastruktur investieren wollen, kann dies den entscheidenden Unterschied machen. Neben den klassischen Strukturfonds spielt auch das Programm „InvestEU“ eine wichtige Rolle. Es zielt darauf ab, private Investitionen zu mobilisieren und Projekte mit hohem gesellschaftlichem Mehrwert zu fördern. Besonders im Fokus stehen dabei kleine und mittlere Unternehmen, nachhaltige Infrastruktur und soziale Innovationen. Auch hier können deutsche Unternehmen als Investoren, Projektentwickler oder Technologiepartner auftreten. Die Kombination aus EU-Förderung und nationalen Anreizen schafft ein Umfeld, KROATIEN NUTZT DIE EU-FÖRDERMITTEL 2021-2027 FÜR WIRTSCHAFTLICHE MODERNISIERUNG UND INNOVATION. Kroatien nutzt die EU-Fördermittel 2021-2027 für wirtschaftliche Modernisierung und Innovation +

CRONNECT MAGAZ IN · 3/2025 35 das sowohl wirtschaftlich attraktiv als auch politisch stabil ist. Allerdings ist der Zugang zu den Fördermitteln nicht trivial. Die Verfahren sind komplex, die Anforderungen an Dokumentation, Nachweisführung und Projektcontrolling hoch. Unternehmen, die sich engagieren wollen, sollten daher frühzeitig mit erfahrenen Förderberatern, Juristen und Steuerexperten zusammenarbeiten. Auch die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern ist unerlässlich, um kulturelle, sprachliche und administrative Hürden zu überwinden. Die Kroatische Wirtschaftsvereinigung (KWVD) kann hier als Brückenbauer fungieren und Kontakte zu geeigneten Projektpartnern, Behörden und Dienstleistern vermitteln. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die EU-Förderperiode 2021–2027 für Kroatien eine historische Chance darstellt. Noch nie zuvor standen dem Land so umfangreiche Mittel zur Verfügung, um seine wirtschaftliche Struktur zu modernisieren, seine Innovationskraft zu stärken und seine Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Für deutsche Unternehmen, die strategisch denken und bereit sind, sich auf neue Märkte einzulassen, bieten sich hervorragende Möglichkeiten. Wer jetzt handelt, kann nicht nur von attraktiven Förderquoten profitieren, sondern auch einen nachhaltigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung im deutsch-kroatischen Raum leisten. 1. https://www.gtai.de/de/ trade/kroatien/specials/ eu-foerderung-in-kroatien-660696 2. https://climate-adapt.eea. europa.eu/de/mission/ funding/opportunities/ integrated-territorial-programme-2021-2027-erdf. o KROATIEN NUTZT DIE EUFÖRDERMITTEL 2021-2027 für wirtschaftliche Modernisierung und Innovation. +

36 CRONNECT MAGAZ IN 3/2025 FJAKA 101: WARUM DALMATINISCHE GELASSENHEIT DEIN NÄCHSTER LEADERSHIPVORTEIL SEIN KANN NEWS FOTO Shutterstock TEXT Robin Weninger, GILT x DDie Sonne rennt auf unsere Segelyacht. Es ist diese Art von dalmatinischer Hitze, bei der man jede Lebensentscheidung kurz hinterfragt - inklusive der Idee mit dem Segeln und Salzwasser. Nach einem langen Tag durch das saphirblaue Labyrinth der kroatischen Inseln sehne ich mich nur noch nach der kühlen Ruhe eines Hafens. Wir laufen Korčula an. Malerisch, aber berüchtigt eng. Das

CRONNECT MAGAZ IN · 3/2025 37 bedeutet: Das klassische mediterrane Heck-an-die-Pier-Manöver steht an. Für Uneingeweihte: weniger Eleganz, mehr kontrolliertes Chaos. Ein bis zwei Bootslängen vor der Pier fällt der Anker, dann ganz langsam rückwärts Richtung Beton. Ziel: möglichst viel Kette ins Wasser, Anker greifen lassen, Fahrt rausnehmen, straffziehen… und am Ende genug Abstand, um die Heckleinen an Land zu werfen. In der Theorie ganz einfach, in der Praxis nervenaufreibend. Vor allem, wenn der Pier so nah ist, dass man ihm fast die Hand geben könnte. Noch vier Meter. „Einfach im Rückwärtsgang bleiben“, ruft der Marina-Mitarbeiter vom Steg, ruhig wie ein Fels. „Nichts anfassen. Vertrau dem Anker. Der hält.“ Meine Instinkte schreien: „Eingreifen! Anpassen! Wir sind zu nah dran! Mach was!“ Aber ich tut es nicht. Ich halte das Ruder ruhig, lasse den Motor sanft rückwärts laufen und kämpfe gegen den inneren Drang, zu “handeln“, um etwas zu vermeiden, was sich nach Desaster anfühlt. Dann, ein subtiler Ruck. Die Ankerkette singt ihr Lied. Das Boot, dieses schwere Gebilde aus Fiberglas und Träumen, kommt zum Stillstand. Perfekte Ruhe. Perfektes Timing. Wir sind exakt dort, wo wir sein müssen, das Heck in Kussposition zum Pier. Die schwerste und klügste Aktion in diesem Moment hat uns hierher gebracht: nichts zu tun. Was Dalmatien weiß… und Silicon Valley oft übersieht Dieser Moment war teils eine Anlegelektion und teils eine

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